Schweizer Werbebrief verärgert Flandern

Die belgische und die flämische Regierung reagieren verärgert auf einen Brief einer schweizer Agentur, die für die Region Zürich werben soll. In dem Brief rät die Agentur ausländischen Hauptgeschäftsstellen, Belgien zu verlassen und sich in der Schweiz niederzulassen.

Ende Oktober hatten 150 amerikanische Unternehmen, die in unserem Land eine Niederlassung haben, einen Brief von einer Marketingagentur, die für die Region Zürich wirbt, bekommen. Darin wurde ein sehr negatives Bild unseres Landes wiedergegeben. Der Brief handelt unter anderem von dem Bahnstreik am 3. Oktober, der hohen Staatsverschuldung und der Rezession.

Marc Rudolf, der Europa-Direktor der Einrichtung 'Greater Zurich area' suggeriert in dem Brief: "Vielleicht ist es Zeit, Ihre Hauptgeschäftsstellen aus Belgien in die Region Zürich zu verlegen, die weltweit eine der gefragtesten Regionen zur Niederlassung von Zentralen  ist."

Er betont auch noch, dass die Schweiz von den Wirtschaftsproblemen Europas verschont worden sei. "Dank einer stabilen Politik und des finanziellen und juristischen Klimas können die Unternehmen ihre Zukunft sicher planen, ohne Opfer sozialer Unruhen oder harter Politik zu werden. Egal, was Sie vorhaben, in der Schweiz läuft alles wie geschmiert."

Unser Land denkt daran, die Schweiz wegen des Briefes zu kontaktieren. "Wir werden ein ernstes Wörtchen mit der Schweiz reden müssen", sagte der flämische Finanz- und Wirtschaftsminister Philippe Muyters (N-VA) in der Frühsendung der VRT.

Der flämische Ministerpräsident Kris Peeters (CD&V) will dem schweizer Botschafter in Brüssel einen Brief schreiben, "um ihn zu bitten, die nötigen Schritte zur Richtigstellung zu unternehmen", sagte Peeters in der Zeitung Het Nieuwsblad. Auch der belgische Wirtschaftsminister Johan Vande Lanotte (SP.A) und der Direktor des flämisch-europäischen Verbindungsbüros, Jan Buysse, halten den Brief für "unverschämt und fern unserer Arbeitspraktiken."

Schweizer versteht unsere Aufregung nicht

Der Brief ist von Marc Rudolf, dem Chef von Greater Zurich Area, einer Marketingagentur der Region unterschrieben worden. Er versteht die ganze Aufregung nicht.

"Es ist ein typischer Werbebrief. Da muss man etwas aggressiver auftreten, um beachtet zu werden", sagte er in der Zeitung Het Nieuwsblad. "Wann es in mein Konzept passt, fange ich meine Brief immer mit einem Nachrichtenhinweis an. In diesem Fall ein Bahnstreik in Belgien."

"Es war sicher nicht meine Absicht, Belgien in die Strafecke zu drängen. Dann hätte ich nämlich auch mit Euren Banken anfangen können. Mein Brief zählt 200 Wörter. Davon handeln höchstens 30 von Belgien. Denken Sie nun wirklich, dass so ein amerikanisches Unternehmen auf der Grundlage eines Briefes seinen Sitz verlegt? Und seien Sie beruhigt: Wir haben kein einziges rein belgisches Unternehmen angeschrieben."