Di Rupo bei Hollande: Thema Bierkrieg

Belgiens Premierminister Elio Di Rupo (PS) war am Dienstagabend zu Gast beim französischen Staatspräsidenten François Hollande. Bei den Gesprächen ging es unter anderem um EU- und Euro-Themen, um den Stahlriesen ArcelorMittal und um einen drohenden Bierkrieg zwischen den beiden Ländern.

Bei den Gesprächen zwischen Premier Di Rupo und Staatspräsident Hollande am Dienstagabend um Pariser Elysee Palast wurde unter anderem das Thema ArcelorMittal behandelt.

Bekanntlich plant der globale Stahlriese die Schließung der Hochöfen im Lütticher Montanbecken. Doch auch das Mittal-Stahlwerk im französischen Florange soll in absehbarer Zeit dicht gemacht werden. Belgien und Frankreich wollen gegen den Stahlriesen auf europäischer Ebene die Kräfte bündeln, denn immerhin stehen zehntausende Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Keine Entspannung zwischen den beiden Nachbarländern wird es allerdings in der Bierfrage geben. Frankreich will die Akzisen, die Verbrauchersteuer auf Bier um 160 % erhöhen. Luxusprodukte, wie Wein, Champagner oder Cognac werden von dieser Steuererhöhung verschont. Belgien riecht hier Protektionismus und legt Einspruch gegen die französische Maßnahme ein.

Das Belgien hier arge Bedenken hegt, liegt auf der Hand. Ein Fünftel des in Belgien gebrauten Bieres wird nach Frankreich exportiert - ein Drittel des gesamten Exports. Die belgischen Bierbrauer, allen voran die ABInbev-Gruppe (Stella, Jupiler, Hoegaarden, Leffe) profitieren davon sehr gut. Schließlich konsumieren die Franzosen jährlich rund 3,5 Millionen Hektoliter Bier.

Doch die geplante Erhöhung der Verbrauchersteuer auf Bier in Frankreich um 160 % wird eine Absatzverminderung mit sich bringen und dies könnte, so die Ansicht der hiesigen Bierbrauer, in Belgien bis zu 200 Arbeitsplätze kosten. Sven Gatz, der Direktor des Verbandes der belgischen Bierbrauer, verdächtigt Frankreich ganz offen des Protektionismus.

Doch nach dem Trefffen Di Rupo-Hollande in Paris am Dienstagabend lenkte Frankreich offenbar nicht ein und wird die Steuererhöhung auf Bier durchziehen. Di Rupo hatte mit seinen Bemühungen wohl keinen Erfolg. Die Frage ist jetzt, wie die Franzosen selber auf das Vorgehen reagieren. Hier befürchten die Bierbrauer und die Betreiber von Gaststätten ebenfalls Umsatz- und Arbeitsplatzverluste hinnehmen zu müssen.