Ermittlungen gegen ex-Fortis-Manager

Untersuchungsrichter Jeroen Burm klagt die früheren Fortis-CEO’s Jean-Paul Votron und Filip Dierckx (Foto) wegen Täuschung von Anlegern vor dem Crash der Bank an. Dierckx ist derzeit Vize bei BNP Paribas Fortis und Vorsitzender des Bankenverbands Febelfin.

Filip Dierckx war im Herbst 2008 nur einige Tage lang COE von Fortis, knapp vor dem Zusammenbruch der Bank. Vorher allerdings übte er bei Fortis bereits hohe Funktionen aus.

Danach wurde er zu BNP Paribas Fortis geholt und ist damit der einzige frühere Fortis-Spitzenmanager und Mitverantwortliche für den Crash der Bank, der heute noch auf exponierter Stelle im Banken- und Finanzwesen aktiv ist.

Die Anklage gegen Filip Dierckx ist auch insofern brisant, als dass der Topbanker heute auch Vorsitzender von Febelfin ist, der Verband der belgischen Banken. BNP Paribas gab gegenüber belgischen Medien zu erkennen, dass man weiterhin großes Vertrauen in Dierckx habe. Von Seiten von Febelfin kam zunächst keine Stellungnahme.

Bereits im Laufe des Donnerstags hatte Untersuchungsrichter Burm auch den ehemaligen Fortis-CEO Jean-Paul Votron offiziell der Irreführung von Anlegern angeklagt und entsprechende Ermittlungen angeordnet. Beiden ex-Fortis-Managern wird nicht nur Irreführung von Anlegern vorgeworden, sondern auch Marktmanipulation.

Votron (Foto) gab am Donnerstagabend gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion an, sich nicht schuldig zu fühlen. Er verwies dabei auf einen weiteren früheren Fortis-Manager und zwar auf den ehemalige Vorstandsvorsitzenden Maurice Lippens. Vor einigen Wochen veröffentlichte die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd Auszüge aus Polizeiverhören von Lippens, während denen dieser seine Hände in Unschuld wusch und unverblümt angab, "vom Bankenwesen nicht viel zu verstehen.“

Vermutlich wird die Brüsseler Staatsanwaltschaft den Fall und die darin Verdächtigen vor das Strafgericht bringen. Die Angeklagten laufen Gefahr, zu Haftstrafen von zwei bis fünf Jahren verurteilt zu werden. Nach einer Verurteilungen haben zudem die irregeführten Anleger die Möglichkeit, Schadensersatz in astronomischer Höhe einzufordern. Jean-Paul Votron und auch der frühere Fortis-Finanzdirektor Gilbert Miller sind bereits in den Niederlanden im Fall Fortis wegen bewussten Irreführen von Anlegern verurteilt worden, gingen jedoch sofort in Berufung.