Holocaust-Gedenkstätte in neuem Gewand

An diesem Wochenende öffnet die neu gestaltete Holocaust-Gedenkstätte in der Dossin Kaserne in Mechelen ihre Pforten für das Publikum. Jetzt haben die "normalen" Besucher die Möglichkeit, sich hier auf die Suche nach der Erinnerung an den Holocaust zu begeben.

Das umgebaute und an heutige Ansprüche angepasste Holocaust-Museum in der Dossin Kaserne in Mechelen war lange umstritten, denn Historiker, die jüdischen Verbände und die Politik waren sich lange uneins darüber, die die neue Form der Gedenkstätte auszusehen habe. Letztendlich aber kann sich das neue Gesicht dieser für unsere Gesellschaft so wichtige Einrichtung sehen lassen. Die Handschrift des flämischen Stararchitekten und Landesbaumeisters Bob van Reeth kann sich durchaus sehen lassen.

Offiziell nennt sich die Institution heute "Gedenkstätte, Museum und Dokumentationszentrum für Holocaust und Menschenrechte“. Doch im Volksmund in Belgien bleibt die angestammte Bezeichnung „Kaserne Dossin“ weiter bestehen, denn diese ehemalige Kaserne der belgischen Armee spielt in der Geschichte der Deportation von Juden, Zigeunern und anderen im Dritten Reich unliebsamen Menschen aus Belgien eine wichtige Rolle.

Zwischen 1942 und 1944 diente die "Kaserne Dossin“ als Sammellager. Von hier aus wurden in insgesamt 28 Zügen fast 26.000 Menschen aus Belgien und Nordfrankreich nach Auschwitz verschleppt, nur die wenigsten überlebten dies.

Nach dem Krieg wurden drei Flügel der Kaserne zu Appartements umgebaut und nur der vierte Flügel konnte zur Gedenkstätte werden, was schnell räumlich an alle Grenzen stieß. Doch heute ergänzt der Museums-Neubau von Bob van Reeth gegenüber der alten Kaserne die Gedenkstätte. Verbunden sind die beiden Gebäude jetzt durch einen weißen Platz, der nur mit wenigen Pflanzen versehen ist. Schon dies sorgt für eine Art innere Ruhe, wenn man den Ort betritt.

Magischer Ort

Im alten Gebäude sind zunächst Habseligkeiten von Deportierten ausgestellt; meist die letzten Dinge des Lebens, die diese Menschen bei sich trugen, als sie hierher kamen. Briefe, Tagebücher, Kinderspielzeug und andere Gegenstände zeugen vom Leben dieser Menschen.

In den Kellerräumen, ehemalige Zellen, sind Ausweise und Passfotos zu erkennen und über versteckte Lautsprecher werden unaufhörlich Namen und das Alter von Verschleppten aufgezählt. Trauer und Fassungslosigkeit machen sich breit.

Wenn man dann über den Platz schreitet, um in den Neubau zu gelangen, wird man von weiteren Fotos von Deportierten empfangen. Hier kann man, aktuellen Museumskonzepten entsprechend, über Touchscreen weitere Informationen und Geschichten erfahren.

In den weiteren Stockwerken, in die man über gläserne Treppen gelangt, warten dunkle Einzelräume auf die Besucher, in denen thematisch aufgeteilt, verschiedene Zeiträume erklärt werden: Das Entstehen des Nationalismus nach dem Ersten Weltkrieg, die Machtübernahme der Nazis, Rassenwahn im Dritten Reich und letztendlich der direkte Weg zur Endlösung.

Nicht nur eine Holocaust-Gedenkstätte

Doch auch der belgische Link zu den Ereignissen wird nicht ausgespart und auch das Leben der hier lebenden Juden und Zigeuner wird erzählt. Auch eine Einführung in die belgische Politik dieser Zeit wird nicht ausgespart.

In einer Erweiterung der Holocaust-Thematik geht die Gedenkstätte aber auch auf weitere Themen aus der Geschichte der Menschheit und ähnlichen Exzessen in Sachen Völkermord ein: Die Ausrottung der Mayas und anderer indianischer Völker und die Ermordung von Armeniern durch die Türken zum Beispiel oder auch der Genozid in Ruanda in jüngerer Zeit.

Gerade hier lagen die Ansichten zwischen den Museumsinitiatoren und den jüdischen Verbänden in Belgien weit auseinander, doch das eine schließe das andere nicht aus und minimiere den Holocaust auch nicht, so Museumsdirektor Herman van Goethem.

Belgien

In den weiteren Stockwerken des Museums-Neubaus werden die einzelnen Geschichtspunkte weiter ausgebreitet. Im zweiten Stock zum Beispiel wird genauer auf die belgische Geschichte zur Zeit der Judenverfolgung im besetzten Belgien eingegangen: Kollaboration, Kooperation der Behörden, Nazi-Sympathien von Teilen der Bevölkerung und dergleichen mehr.

Und es geht im Weiteren auch um die heutigen Probleme in den Bereichen Menschenrechte, Diskriminierung, Völkermord und Vertreibung bis hin zur Arbeit des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, wo Prozesse zum Thema Völkermord in Ruanda oder die Exzesse in Ex-Jugoslawien geführt werden. Ein Punkt in der Geschichte wurde hier allerdings ausgespart: Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern.