Schulen gegen Ausweisung von Kindern

Die Schulnetze in Flandern haben sich gegen die Ausweisung von Minderjährigen geäußert. In einem offenen Brief an Maggie De Block, Belgiens Staats-Sekretärin für Asyl und Einwanderung, rufen sie dazu auf, Minderjährige ohne Papiere nicht auszuweisen.

Die Dachverbände des katholischen und des Gemeinschafts-Bildungswesens in Flandern haben die belgische Staatssekretärin für Asyl und Einwanderung, Maggie De Block (Open VLD - Foto) dazu aufgefordert, ein Gesetz vorzubereiten, dass die Ausweisung von Kindern und Jugendlichen, auch wenn diese nicht über legale Papiere in unserem Land verfügen, nicht mehr des Landes zu verweisen.

Raymonda Verdyckt vom flämischen Gemeinschaftsunterricht war dazu gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sehr deutlich:

"Wir haben die Politik von Frau De Block in Frage gestellt. Wir stellen lediglich fest, dass die Verfahren sehr lange dauern. Sobald Kinder integriert sind, auch dann, wenn sie in der Schule wirklich ihren Platz gefunden haben und von den Lehrern bereits länger begleitet werden, werden sie nicht selten ausgewiesen.

Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die gesamte betroffene Schule und das weitere Geschehen dort, wenn dort Kinder plötzlich nach mehreren Jahren weggeholt werden.“

Auch Mieke Van Hecke (Foto), die Vorsitzende des katholischen Schulwesens in Flandern reagierte ähnlich und gab in den VRT-Radionachrichten an, Kindern ohne gültige Papiere die Möglichkeit einzuräumen, zumindest ihre Ausbildung in Belgien beenden zu können:

"Lasst sie ihre Ausbildung zu Ende führen. Dann können sie zumindest das, was sie hier gelernt haben, in ihrem Heimatland anwenden und dort für einen Mehrwert sorgen. Wenn sie die Schule hier abbrechen müssen, haben sie dort nichts in Händen.

Lasst uns diese Angelegenheit zugunsten dieser Kinder bearbeiten und auch im Hinblick auf deren Herkunftsland, wo sie ihre Fähigkeiten einsetzen können.“

Die Vorgeschichte

Staatssekretärin Maggie De Block (Foto) wollte sich am Freitag zu diesem Thema nicht öffentlich äußern und stand für einen Kommentar zum Aufruf der flämischen Schulbehörden in dieser Frage nicht zur Verfügung.

Hintergrund für die Bedenken der Schulvertretungen sind die aufsehenerregenden Ausweisungen von zwei Jugendlichen, einem 20jährigen aus Kamerun, der in Mechelen drei Jahre lang einer Ausbildung folgte, die er nicht zu Ende bringen durfte und einem jungen Mann aus Afghanistan, der mutterseelenalleine und ohne Verwandte in seinem Heimatland zu haben, in ein Flugzeug nach Kabul gesetzt wurde. Beide junge Männer waren in ihrer neuen Heimat in Flandern voll integriert und lebten bei Pflegefamilien, gingen zur Schule oder waren in Jugendgruppen und Pfadfindern engagiert.