Der Pflanzengarten von Meise wird flämisch

Der Nationale Pflanzengarten von Meise wird der Verantwortung der Behörden des belgischen Bundeslandes Flandern übertragen. Nach 11 Jahren Verhandlungen zwischen Flandern und der französischsprachigen Gemeinschaft Belgiens konnte jetzt eine Einigung erzielt werden.
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Schon 2001 wurde im so genannten Lambermont-Abkommen zur fünften Stufe der belgischen Staatsreform vereinbart, dass der Pflanzengarten von Meise, südlich von Brüssel gelegen, mitsamt der dazugehörigen Gewächshäusern an Flandern übertragen werden soll.

Doch diese Übertragung brauchte viel Zeit, denn es ging unter anderem auch um Sprachenfragen in der Aufteilung des Personals (niederländisch- und französischsprachige Mitarbeiter), um die Übertragung der wissenschaftlichen Sammlung der Einrichtung und auch um die Finanzierung des Unterhalts der angeschlossenen Gebäude.

Das hatte auch zur Folge, dass notwendige Renovierungsarbeiten an den Gewächshäusern immer wieder verschoben wurden, denn ohne eine Einigung zwischen Bund und Ländern konnte kein Geld freigemacht werden. Die Einigung zur Lösung bedeutet, dass Flandern für den Pflanzengarten von Meise zuständig wird und dass entsprechende Finanzmittel dafür von Seiten der Bundesregierung übertragen werden. Im Gegenzug dafür erhält die französischsprachige Gemeinschaft Belgiens (die Wallonie und der frankophone Bereich Brüssels) zusätzliche Gelder für das regionale Bildungswesen.

Steven Dessein, der Direktor des Pflanzengartens von Meise, hofft, dass die Unsicherheit damit ein Ende hat: "Das ist das Positive. Jetzt können wir wieder nach vorne schauen und sehen, welche Investitionen dringend notwendig sind. Wir können jetzt auch endlich Zukunftsvisionen entwickeln."

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Historisch wertvolle Einrichtung

Der Pflanzengarten von Meise wurde bereits 1788 eröffnet und besitzt eine Pflanzensammlung, die Weltruf genießt. Derzeit arbeiten 184 Beschäftigte für diese Einrichtung, die jährlich von mehr als 110.000 Besuchern aufgesucht wird.

Die Pflanzensammlung ist reich an exotischen Gewächsen. In den niederländischen Jahren kamen viele Pflanzen aus den Kolonien der Niederlande in Asien (Ostindien, Indonesien…). Nach dem belgisch-niederländischen Scheidungsvertrag und der Gründung des Königreichs Belgien wurden die Anlagen 1870 von belgischen Staat erworben. Danach fanden auch Pflanzen aus den belgischen Kolonien in Zentralafrika (Kongo, Ruanda, Burundi) den Weg nach Meise.

Im Laufe der Jahre kamen weitere Spezialgebiete hinzu, zum Beispiel das Thema Gewürze. Neben der Pflanzensammlung wurde auch die Bibliothek der Einrichtung immer umfangreicher und Wissenschaftler aus aller Welt kamen und kommen im Zuge ihrer Forschungen nach Meise. Mitte der 1980er Jahre kam es sogar zu einem Neubau, um das stets größer werdende Herbarium unterzubringen.

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