Fußballbund reagiert auf Schwarzgeldbericht

Der belgische Fußballverband KBVB wird mit einem neuen Lizenzsystem versuchen, die Fälle von Schwarzgeld in den unteren Ligen in den Griff zu bekommen. Am Donnerstagabend hatte eine entsprechende Reportage der VRT-Sendereihe "Panorama" für Aufsehen gesorgt. Die Reaktion kam prompt am Freitagmorgen.

Am Donnerstagabend sendete das zweite Fernsehprogramm der VRT, Canvas, in ihrem Reportage-Magazin "Panorama" den Beitrag "Der Fiskus im Abseits" aus. In diesem Bericht, in dem teilweise mit versteckter Kamera gearbeitet wurde, ist deutlich geworden, dass Schwarzgeldzahlungen in der dritten und vierten belgischen Fußball-Liga Usus sind.

So werden Amateurfußballer mit Schwarzgeld bezahlt und Mäzene von lokalen Vereinen finanzieren ihre Clubs mit Schwarzgeld aus ihren Unternehmen. Auch fließen Sponsorengelder aus schwarzen Kassen von teils dubiosen Geschäftsleuten an die Vereine.

Überrascht, dass hier Schwarzgelder zirkulieren, ist in Belgien eigentlich niemand, doch die Verantwortlichen des belgischen Fußballbundes wundern sich schon über den Umfang des Ganzen, der offenbar auch bis hin, in den Profifußball reicht. Nicht zuletzt brachte die VRT-Reportage auch zutage, dass in manchen Fällen sogar Geld krimineller Herkunft im Amateur- und Profifußball weißgewaschen wurde.

KBVB-CEO Steven Martens (Foto) sagte anlässlich einer am Freitagmorgen einberufenen Pressekonferenz, dass Schwarzgeld für das Image des Fußballs in Belgien nicht gerade förderlich sei: "Lassen Sie uns dies als Chance sehen, den Sport wieder ehrlicher zu machen. Wir werden hierzu mit der Pro League (der belgische Verband der Proficlubs aus der ersten und zweiten Liga (A.d.R.)) zusammenarbeiten."

Neues Lizenzsystem

Der belgische Fußballverband plant jetzt, das Lizenzsystem für die unteren Ligen denen der Pro League anzupassen. In erster Linie betrifft das die dritte und die vierte Liga, die dadurch genauer kontrolliert werden können.

Das bedeutet allerdings, so KBVB-CEO Martens, dass diese Vereine ihren Spielern nicht mehr so hohe Gelder und Prämien ausbezahlen können, wie bisher. Das bedeutet aber auch, dass die kleineren Fußballclubs wieder mehr auf ihre eigene Jugend setzen sollen, um gute Mannschaften aufstellen zu können. Spitzenspieler mit hohen Schwarzgeldsummen von konkurrierenden Clubs wegzulocken, soll in Zukunft ungleich schwieriger werden.

Neben einer Kooperation mit dem Verband der beiden belgischen Profiligen will der KBVB aber auch eng mit der belgischen Bundesregierung, sprich mit dem für den Kampf gegen Betrug beauftragten Staatssekretär John Crombez (SP.A) zusammenarbeiten. In dieser Hinsicht will auch die Pro League kooperieren, wie deren Vorsitzender Ronny Verhelst (Foto) angab: "Im Fußball ist kein Platz für kriminelle Geldwäscher und für Finanzdoping".