Flanderns Seehäfen planen Kooperation

Die Seehäfen von Zeebrügge und Antwerpen wollen ihre Kräfte bündeln. Sie arbeiten an einem Plan, ihre Containeraktivitäten aufeinander abzustimmen. Damit wollen sie sich gegen die Krise, aber auch gegen die Konkurrenz im niederländischen Rotterdam wappnen, wie die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd meldet.
Die Hafenausfahrt von Zeebrügge

Die vorsichtige Annäherung zwischen den Hafenverwaltungen von Zeebrügge und Antwerpen ist bemerkenswert, denn eigentlich gelten beide Seehäfen als erbitterte Konkurrenten. Doch mittlerweile sind sich beide Häfen im Klaren darüber, dass es so nicht weitergehen kann. Zwei riesige Seehäfen, die quasi Nachbarn sind, sich aber bis aufs Blut bekämpfen, dass ist in diesen Krisenzeiten eher als kontraproduktiv zu bezeichnen.

Vornehmliches Ziel ist, Reedereien aus Asien, die derzeit den Hafen von Rotterdam anlaufen, nach Antwerpen oder Zeebrügge zu locken. In Rotterdam wird nicht geschlafen. Hier sollen bald zwei neue riesige Containerterminals gebaut werden. Dazu werden 3 Milliarden € investiert. Der Konkurrenzkampf mit den flämischen Häfen wird hart werden. Das sich Antwerpen und Zeebrügge zusammenraufen sollen, empfehlen inzwischen viele: Wirtschaftsfachleute, Reeder, die flämische Landesregierung und dergleichen mehr.

Doch jetzt scheinen die beiden Manager der jeweiligen Hafenbehörden, Eddy Bruynickx (Antwerpen) und Joachim Coens (Zeebrügge) endlich verstanden zu haben, wenn sie über ihre gemeinsamen Pläne derzeit auch noch nicht viel sagen wollen. "Ist dies nur eine Art Waffenstillstand?", fragt sich das Wirtschaftsblatt De Tijd. Ein gemeinsames Management mit einem CEO für beide Häfen wird es wohl nicht geben. Das wurde schon deutlich. Doch viele Chancen, die man bisher durch eine schwer verständliche Kirchturmpolitik liegen gelassen hat, wollen jetzt ergriffen werden.

Hinterlandanbindung

Wichtigste Punkte könnten dabei eine wesentlich schnellere Zollabfertigung von Waren und Gütern sein und eine deutlich bessere Hinterland-Anbindung über den Schienenverkehr und die Binnenschifffahrt. Es ist eminent wichtig, dass die aus Asien kommenden Container so schnell wie möglich an ihre Zielorte geraten. Schnelle Züge in Richtung Süd- und Osteuropa brauchen derzeit noch zulange, um aus den Häfen heraus in Richtung Frankreich oder Deutschland zu fahren.

Da ist die Verbindung über die neue Betuwe-Linie vom Hafen Rotterdam aus in den Ballungsraum Ruhrgebiert derzeit erfolgreicher. Belgien braucht neben der Montzen-Linie von Antwerpen nach Aachen-West unbedingt den Eisernen Rhein zum Duisburger Binnenhafen als Alternative. Hier könnten und sollten die beiden Hafenbehörden von Antwerpen und Zeebrügge gemeinsam mehr Druck auf die Politik ausüben.