Depardieu will kein Franzose mehr sein

Der französische Schauspieler Gérard Depardieu ist verärgert über die beleidigende Kritik in Frankreich an seiner Steuerflucht nach Belgien. Depardieu gibt deshalb seinen französischen Pass ab. Das schreibt er in einem öffentlichen Brief an den französichen Premier Jean-Marc Ayrault, der am Sonntag im Journal du dimanche publiziert ist.

"Keine anderen Personen, die Frankreich verlassen haben, wurden so verletzt wie ich", schreibt Depardieu. Die Kritik an ihm war groß nachdem er seinen Umzug nach Belgien bekannt gegeben hatte.

Ayrault selbst nannte den Umzug "ziemlich jämmerlich" ("assez minable").

Der Schauspieler schreibt, dass er mit 14 Jahren angefangen habe, zu arbeiten. "Ich habe niemanden ermordet, ich habe in 45 Jahren 145 Millionen Euro an Steuern bezahlt, ich habe 80 Menschen bei mir angestellt (...). Ich bin nicht jämmerlich und auch kein Held, aber ich lehne das Wort 'minable' ab", heißt es.

"Ich gebe meinen Pass ab und und beende meine Sozialversicherung, von der ich nie profitiert habe. Wir haben nicht mehr die gleiche Heimat, ich bin ein echter Europäer, ein Weltbürger", steht noch in dem öffentlichen Brief.

Der 63-jährige Depardieu kaufte vor kurzem ein Haus in Néchin im Hennegau. Er gesellt sich damit zu einigen anderen französischen "Steuerflüchtlingen".

Will Depardieu Belgier werden, braucht er Geduld

Ein Brief reicht aus, um die französische Staatsbürgerschaft los zu werden - ein Express-Antrag also. Bleibt das Problem, dass er eine andere Staatsbürgerschaft annehmen muss, denn das französische Gesetz bringt keine Staatenlosen hervor.

Die Lösung wäre also, Belgier zu werden. Das ist jedoch gar nicht so einfach, denn es müssen drei Kriterien hierfür erfüllt werden:

*Man muss älter als 18 Jahre alt sein.

*Man muss zum Zeitpunkt des Antrags auf belgischem Territorium wohnen.

*Man muss seit drei Jahren seinen Hauptwohnsitz in Belgien haben.

Das Problem ist, dass Depardieu gerade erst ein Haus in Belgien gekauft hat. Die Voraussetzung der drei Jahre für die Einbürgerung kann allerdings umgangen werden, wenn die Person beweisen kann, dass sie seit drei Jahren ein "echtes enges Verhältnis zu Belgien" hat. Auch das ist bei Depardieu wohl eher unwahrscheinlich. Weitere Möglichkeiten des Umgehens dieser Voraussetzung sind wohl ebensowenig gegeben und so braucht Depardieu vor allem Geduld, wenn er Belgier werden will.

Eine gute Nachricht wird ihn, beziehungsweise sein Portemonnaie, jedoch freuen: Die Einbürgerung ist kostenlos.