Komplizin Dutroux spaziert durch Knokke

Michelle Martin, die Ex-Frau und Komplizin von Kindermörder Dutroux, spaziert durch Knokke, ein Nobelort an der belgischen Küste. Dieser Ausgflug hat für jede Menge Aufregung in Belgien gesorgt. Der Bürgermeister von Knokke-Heist, Leopold Lippens, spricht von einem Skandal. In den Zeitungskommentaren vom Donnerstag wird allerdings der Bürgermeister scharf kritisiert.

Am Mittwoch staunte ganz Knokke als bekannt wurde, dass Michelle Martin, die Ex-Frau und Komplizin des Kindermörders Dutroux, durch die Küstengemeinde Knokke spazierte. Ein Besuch bei einem Nobelfrisör in Knokke machte den Bürgermeister (Foto) wütend. Martin wurde erst hinterher erkannt.

Sie wurde von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin begleitet. "Es ist ein Skandal, dass so jemand hier ungestört am Deich spazieren gehen kann", sagte Lippens am gestrigen Mittwoch. "Soll sie doch in ihrem Klostergarten in Malonne herumlaufen! Hier hat sie nichts zu suchen!"

In einigen Zeitungskommentaren wurde Lippens scharf kritisiert. Liesbeth Van Impe von Het Nieuwsblad hält die Reaktion von Lippens "für absolut unangemessen". Auch Guy Tegenbos schreibt in der Zeitung De Standaard, dass er die Reaktion von Lippens zwar verstehen könne, dass sie aber falsch sei. "Einen Bürgermeister mit solcher Erfahrung hätte ich für weiser gehalten." "Bürgemeister haben nicht das Recht, einfach so zusätzliche Bedingungen für ihr Gebiet zu stellen."

Tegenbos wirft Lippens sogar vor, den Rechtsstaat zu untergraben. Van Impe pflichtet ihm bei, indem sie sagt, dass wir "entweder den Rechtsstaat untergraben, indem wir fordern, dass Martin nie wieder frei kommt oder wir beugen uns dem Rechtsgang."

Martin hat nicht gegen die Voraussetzungen ihrer vorzeitigen Haftentlassung verstoßen. Sie muss einen Bogen um die Provinzen Lüttich und  Limburg machen und darf keinen Kontakt mit den Familien der Opfer aufnehmen, was sie offenbar auch nicht getan hat.

Gazet van Antwerpen zufolge würde Lippens mit zwei verschiedenen Maßen messen, weil letztes Jahr die fünffache Mörderin Agnes Pandy im Rahmen ihrer sozialen Reintegration in einer Bibliothek von Knokke-Heist ehrenamtlich arbeiten durfte. "Jeder verdient eine zweite Chance", hieß es damals.

Auch der Anwalt von Martin, Thierry Moreau, betont, dass Martin frei sei und das Recht habe, zu gehen und zu stehen, wo sie wolle. Aus dem Kloster in Malonne hört man, dass das Kloster kein Gefängnis sei und was Martin in ihrer freien Zeit täte, ihre Sache sei.

Für den Vater eines der Opfer Dutroux ist das zu viel

Jean Lambrecks, der Vater von einem der Opfer, hält Martins Besuch an der Küste für unangebracht. Er habe jedoch damit gerechnet, dass das früher oder später passieren würde. Es sei schließlich früher als erwartet erfolgt, heißt es.

Lambrecks kritisiert die Tatsache, dass obwohl sich Martin für unvermögend habe erklären lassen, offenbar doch noch genug Geld habe, um sich zu verwöhnen. "Sie hat in den sechzehn Jahren im Gafängnis rund 40.000 Euro gespart", sagt er. "Geld genug also für eine VIP-Behandlung an der Küste."