Schwere Zeiten für Belgiens Autoindustrie

Die angekündigte Schließung des Ford-Werks in Genk für 2014, kein neues Modell für Volvo Cars in Gent und Absatzprobleme am belgischen Automobilmarkt bringen den Verantwortlichen des hiesigen Automobilsektors Sorgenfalten auf die Stirn. 2012 war kein gutes Jahr und 2013 wird womöglich ein noch schlechteres Jahr.
Das Ford-Werk in Genk wird 2014 dichtgemacht.

Volvo Cars in Gent hat in diesen Tagen die letzten Autos des C30-Modells montiert. Volvo-Besitzer Geely aus China kündigte an, in Gent keinen Nachfolger für dieses Modell bauen zu lassen. Seit Produktionsstart 2006 wurden rund 200.000 Autos von diesem Typ in Gent montiert, doch der Absatz stockte, vor allem in China und der C30 lief jetzt aus.

Im zu Ende gehenden Jahr wurden nur noch 18.000 C30er in Gent montiert, etwa 7 % des Produktionsvolumens am Standort. Also wird Volvo Cars Gent wohl etwas Volumen verlieren.

Aber, hier wird noch der V40 montiert, gut für rund 35.000 vom Band gerollte Autos in diesem Jahr. Auf den gleichen Bändern kann auch der Geländewagen XC90 montiert werden, denn die Produktionsanlagen sind flexibel aufgestellt.

Ob Volvo Cars in Gent jetzt Arbeitsplätze abbauen muss, ist eine oft gestellte Frage. Flanderns Landesregierung hat noch ein As im Ärmel für den Standort: Zuschüsse für die Montage der elektrischen Version des C30. Doch besteht ausreichend Nachfrage dafür?

Belgiens Automobilmarkt schrumpft

Federauto, der Dachverband der Autohändler und Autowerkstätten in Belgien, geht davon aus, dass der Absatz von Neuwagen im kommenden Jahr um 6 bis 7 % auf etwa 450.000 Fahrzeugen sinken wird.

Damit ist Federauto pessimistischer eingestellt als Febiac, der Verband der belgischen Automobilindustrie, der für 2013 von bis zu 485.000 im Land abzusetzenden Neuwagen ausgeht. Doch im Vergleich zum Rekordjahr 2011 ist dies immer noch ein Rückgang im knapp 15 %.

Agoria, der Verband der belgischen technologischen Industrie meldete jetzt, dass in diesem Jahr in Belgien bei den drei im Land noch aktiven Automobil-Montagewerken Audi (Brüssel Vorst), Ford (Genk) und Volvo (Gent) mehr als 507.500 Autos von den Bändern gelaufen sind. Dabei hätten Audi in Brüssel vor allem mit dem A1 und Volvo im Genter Hafen für positive Noten gesorgt.

Doch die Ankündigung von Ford Europa, das Werk in Genk 2014 schließen zu wollen, sei ein Drama für den Sektor und die Beschäftigten, auch im Bereich der Zulieferfirmen. So erwartet denn auch Agoria für 2013 ein schweres Jahr für den hiesigen Autosektor, was auch mit dem zu erwartenden Konsumverhalten der Verbraucher in Belgien zu tun hat.