Busunfall Sierre: Schweizer Presserat nimmt Stellung

Nach einem schweren Busunfall in Sierre in der Schweiz, bei dem im März 2012 28 Belgier, darunter viele Kinder, ums Leben gekommen waren, veröffentlichten einige eidgenössische Zeitungen und Magazine Fotos einiger Opfer. Der Schweizer Presserat gab jetzt bekannt, dass die Medien dazu die Erlaubnis der Angehörigen hätten einholen müssen.

Im März 2012 waren bei einem Unfall mit einem belgischen Reisebus in einem Tunnel in der Gegend der Schweizer Ortschaft Sierre 28 Personen ums Leben gekommen, darunter in erster Linie Kinder. Damals hatten einige Zeitungen und Magazine in der Schweiz und auch in Belgien Fotos von Opfern in ihren Publikationen abgedruckt, wogegen die Angehörigen Einspruch erhoben hatten.

In Belgien hatten sich die Kläger außergerichtlich mit den betroffenen Redaktionen einigen können. In der Schweiz war es letztendlich nicht zu Klagen oder Verfahren gekommen, aber es gab auch dort Kritik und der schweizerische Presserat hatte sich auf eigene Initiative mit den Vorgängen beschäftigt.

Der Presserat der Eidgenossen hatte sich bereits Anfang November über den Fall gebeugt und bescheinigte den drei angesprochenen Blättern, die Opfer nicht in sensationeller Weise dargestellt zu haben. In Bezug auf die Privatsphäre der Opfer und deren Angehöriger hält das Kontrollorgan der Medien in der Schweiz hingegen fest, dass Journalisten Fotos verstorbener Opfer eines Unfalls nur dann zeigen dürfen, wenn die Angehörigen die Bilder ausdrücklich zur Veröffentlichung freigegeben haben.

Dies gilt auch dann, wenn Bilder von Todesopfern bei Gedenkfeiern in Kirchen oder Kapellen sowie bei öffentlichen Trauerfeiern zugänglich sind. Und Bilder aus allgemein zugänglichen Blogs im Internet, im vorliegenden Fall die einiger Schneeklassen aus dem belgischen Bundesland Flandern, dürfen ebenfalls nicht ohne Zustimmung abgedruckt und weiterverbreitet werden, so der Schweizer Presserat in einer erst am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme vom 9. November 2012.