Ermittlungen gegen Scientology in Belgien

Die Staatsanwaltschaft in Brüssel ermittelt gegen Scientology und gegen einige ihrer Spitzenfunktionäre, wie die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd am Freitag meldet. In den Augen der belgische Justiz ist diese Kirche eine kriminelle Organisation.

Die Vorwürfe der Brüsseler Justiz gegen Scientology wiegen schwer: Erpressung, Betrug, illegale Medizin und Verstöße gegen das Gesetz zum Schutz des Privatlebens. Die Staatsanwaltschaft will Scientology als kriminelle Organisation vor Gericht stellen und bereitete die verschiedenen Anklagen in jahrelanger Ermittlungsarbeit vor.

Der Fall kam vor rund vier Jahren ins Rollen, als das regionale Brüsseler Arbeitsamt Klage gegen die Kirche wegen mehrerer bedenklich aufgestellter Arbeitsverträge eingereicht hatte. Im April 2008 war es in diesem Fall zu Haussuchungen gekommen, die Untersuchungsrichter Michel Claise angeordnet hatte und dabei konnte die Polizei wesentlich mehr belastendes Material beschlagnahmen, als erwartet.

2009 hatte die Brüsseler Justiz noch einige ältere Verfahren gegen Scientology auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, doch jetzt wurde ein neues und weitaus umfassenderes Strafverfahren in die Wege geleitet, wie De Tijd meldet. Nach Ansicht der flämischen Wirtschaftszeitung zielt die Justiz auf eine strenge Bestrafung von Scientology ab, ein Verfahren, das auf internationaler Ebene zu einem Präzedenzfall werden könnte. Vor einigen Jahren hatte ein Gericht in Frankreich Scientology bereits wegen Betrugs verurteilt.

Scientology in Belgien

Scientology unterhält ihre belgische Zentrale in Mechelen und der Europasitz dieser Religionsgemeinschaft ist in der belgischen Hauptstadt Brüssel angesiedelt. In unserem Land ist Scientology nicht offiziell als Kirche und Glaubensgemeinschaft anerkannt.

In den USA hingegen genießt Scientology ein hohes Ansehen und hat prominente Mitglieder, wie die Scheuspieler Tom Cruise oder John Travolta. Hierzulande soll die Kirche zwischen 300 und 500 Mitglieder vereinen.