Die „belgas“ in Buenos Aires werden abgestellt

Die älteste Metrolinie der Welt, die Linie A in Buenos Aires, soll stillgelegt werden. Die historischen U-Bahnwagen sind über 100 Jahre alt und wurden in Belgien, genauer in Brügge hergestellt. Die drohende Stilllegung sorgt für heftige Proteste in der argentinischen Hauptstadt.

Die Stadtverwaltung der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires hat angekündigt, dass die 95 ältesten Fahrzeuge der Metrolinie A aus dem Verkehr gezogen werden. Die Linie A ist die erste Metrolinie überhaupt in der südlichen Hälfte unserer Erde und seit rund 100 Jahren fahren dort die in Buenos Aires „belgas" oder „brujas“ genannten historischen Züge, die jetzt ausgemustert werden sollen.

Diese U-Bahnzüge sind heute noch im originalen Zustand der Herstellung vor rund 100 Jahren: Holzbänke, hölzerne Vertäfelung, eiserne Haltestangen und verzierte Lampenhalter. Die Bahnen wurden damals im flämischen Brügge gebaut und zwar bei der traditionsreichen Firma La Brugeoise, Nicaise et Delcuve, heute längst zum kanadischen Bombardier-Konzern gehörend.

Daher stammen auch die volkstümlichen Spitznahmen der Züge, denn „belgas“ bedeutet in Spanisch Belgier und „brujas“ steht für Brügge. Die Linie A in Buenos Aires ist die Metro, die die ältesten Fahrzeuge der Welt noch im normalen Fahrplan einsetzt. In der ungarischen Hauptstadt Budapest fahren Bahnen, die noch älter sind, doch nur noch zu touristischen Zwecken.

In Buenos Aires hat die Ankündigung, die „belgas“ abzustellen, für heftige Proteste gesorgt, nicht nur bei Denkmalschützern oder Eisenbahn- und Nahverkehrsfreunden, sondern auch bei der Bevölkerung, sprich den täglichen Fahrgästen und in politischen Krisen. Die aktuelle Mehrheit in der Stadt steht offenbar schon länger in der Kritik, weil sie sich um Denkmalschutz und Kulturerbe nicht kümmert, bzw. weil sie eher beschädigend auftreten soll.