Das Jahr 2012: Wirtschaft und Krise

Das Jahr 2012 geht zu Ende und damit blickt Belgien auf ein krisenreiches Jahr zurück. Noch nie gab es in Belgien so viele Firmenpleiten wie 2012. Allein die angekündigte Schließung von Ford für das Montagewerk im limburgischen Genk wird 10.000 Menschen ihren Arbeitsplatz kosten.

2012 wird auch als wirtschaftliches Krisenjahr in Erinnerung bleiben. 11.000 Unternehmen - Großunternehmen, mittelständische Betriebe, traditionreiche Familienunternehmen - gingen innerhalb von nur einem Jahr in Konkurs - so viele wie nie zuvor in Belgien auf Jahresbasis. Zehntausende Menschen haben dadurch ihren Arbeitsplatz verloren.

Die folgenschwerste Meldung kam Ende Oktober aus dem limburgischen Genk: Der amerikanische Autobauer Ford kündigte an, seinen traditionsreichen belgischen Standort in absehbarer Zeit aufzugeben und zu schließen. Auf den Tag genau vor 50 Jahren war an selber Stelle in Genk der Grundstein für das Montagewerk gelegt worden. Ein halbes Jahrhundert später wurde das Schicksaal besiegelt.

Allein bei Ford verlieren 2014, wenn die Schließung definitiv durchgeführt wird, über 4.000 Menschen ihren Job. Bei den Zulieferbetrieben sind noch einmal 5.000 Arbeitsplätze akut gefährdet. Eine ganze Region droht in die kollektive Depression zu verfallen, nachdem bereits vor 25 Jahren die Kohlenzechen geschlossen wurden.

Trotz Kurzarbeit und trotz freiwilligen Lohnverzichts von Seiten des Personals in Genk: Autobauer Ford will sein Werk in Belgien dicht machen. Hintergrund ist wohl die Überproduktion in der Automobilindustrie durch die europaweite Absatzkrise.

Krise und Rettung: Aus Dexia wird Belfius

Für Schlagzeilen hatte 2012 auch wieder die Dexia Bank gesorgt. Die mit Steuergeldern von der belgischen Bundesregierung aus der Gruppe herausgekaufte Bank trägt seit Anfang März nicht mehr den Namen Dexia, sondern wurde in den unverfänglichen Namen Belfius umgetauft. Belfius soll für Belgien, Finanz und Wir stehen, also eine Volksbank suggerieren.

Die Bank soll ein solides Finanzinstitut darstellen, das dank aller Belgier gerettet werden konnte, erklärt Unternehmens-Sprecherin Moniek Delvou dazu. In erster Linie aber wollte und musste die Bank ihr schlechtes Image loswerden und nicht mit mehr der maroden Restbank oder der durch Negativschlagzeilen unbeliebten Dexia in Verbindung gebracht werden.

Die angeschlagene Dexia-Holding musste im November zum dritten Mal vor der Pleite gerettet werden. Das marode Finanzinstitut ist so etwas wie Belgiens finanzieller Albtraum. Zwischen Brüssel und Paris, den beiden Geldgebern, herrschte zeitweise Streit, denn das kleinere Belgien sollte den Löwenanteil an staatlichen Garantien beitragen. Belgien fühlte sich von den Franzosen über den Tisch gezogen.

Nach tagelangen Diskussionen mit seinem Amtskollegen fädelte Bundesfinanzminister Steven Vanackere (CD&V) einen Deal aus: Belgien stellt knapp 3 Milliarden € zur Verfügung, um das Kapital von Dexia zu erhöhen, dafür übernimmt Frankreich den größeren Teil der risikoreichen Garantien: Der Deal sei nicht nur fair, sondern zudem in belgischem Interesse, erklärt Vanackere danach. Statt mit über 50 Milliarden € bürgt Belgien künftig „nur" noch für gut 40 Milliarden €.