Antwerpen geht juristisch gegen „Autoprotze“ vor

Polizei und Justiz in Antwerpen gehen verstärkt gegen junge Fahrer von teuren Autos vor. Dabei geht es um die so genannten „Autoprotze“, die mit Sport- oder Luxuswagen herumfahren, für die sie eigentlich kein Geld haben. Oft steht in solchen Fällen die Frage von Geldwäsche nach Drogendelikten im Raum.

Antwerpens Polizei will in einem Versuchsprojekt herausfinden, ob junge Leute ihr Luxusleben mit Geld aus kriminellen Aktivitäten finanzieren, denn offenbar fahren in der Scheldemetropole nicht selten junge Männer mit Autos herum, die sie sich eigentlich nicht leisten können, da sie offiziell Arbeitslos sind oder von Sozialhilfe leben. Zudem sorgen gerade diese Fahrer mit ihren Sport- oder Luxusautos für Probleme durch laute Musik oder auch durch nicht gerade verkehrsgerechtes Fahrverhalten.

Die flämische Tageszeitung Het Laatste Nieuws meldete in ihrer Mittwochsausgabe, dass die Antwerpener Staatsanwaltschaft bisher 10 Verfahren eingeleitet hat und dass bereits in vier Fällen Fahrzeuge beschlagnahmt wurden, da die Fahrer oder Halter nicht beweisen konnten, dass sie diese Autos mit „ehrlich verdientem Geld“ bezahlt haben. Zunächst wurde diese Meldung nicht offiziell bestätigt, doch ein Sprecher der Antwerpener Staatsanwaltschaft gab in den Mittagsnachrichten im ersten Programm unseres Hauses, der VRT, an, dass Polizei und Justiz gegen solche Personen vorgehen.

Aus juristischer Sicht handelt es bei diesen Verfahren um Vorgänge im Bereich der Geldwäsche. Stadtteilstewards und Revierpolizisten sollen der Staatsanwaltschaft melden, wenn Jugendliche mit „Protzautos“, sprich extrem teuren Luxuswagen, umherfahren, obschon bekannt ist, dass deren Familien oder sie selbst über keine festen Einkommen verfügen. Daraufhin eröffnet die Staatsanwaltschaft Ermittlungen in Sachen „sichtbares kriminelles Vermögen“, wie das in Belgien juristisch genannt wird.

Kann ein junger Mann, gegen den finanzielle Ermittlungen laufen, belegen, dass er seinen Wagen mit „ehrlich verdientem Geld“ bezahlt hat, dann geht er frei aus. Andernfalls wird ein Verfahren gegen ihn eröffnet und der Wagen beschlagnahmt. Das Vorhaben stammt noch aus der Zeit des im Oktober abgewähten Antwerpener Ex-Bürgermeisters Patrick Janssens (SP.A).