Bei Ford in Genk wird nur kurz gearbeitet

Wie am Montag nach einer Urabstimmung des Personals abgesprochen, ist die Produktion beim stilllegungsbedrohten Ford-Werk im limburgischen Genk wieder aufgenommen wurden. Doch weil die Zulieferbetriebe weiter bestreikt werden, konnten die Bänder bei Ford nicht lange laufen.

Rund 65 % der Beschäftigten der Frühschicht hatten am Mittwochmorgen die Arbeit bei Ford in Genk wieder aufgenommen. Diese Zahl der Arbeitnehmer reichte aus, um die Bänder zu starten, doch diese konnten nicht lange laufen, da der Vorrat an Bauteilen nur sehr eingeschränkt verfügbar war. Es lagen lediglich Teile für den Bau von 85 Autos im Lager. Normalerweise laufen bei Ford in Genk täglich bis zu 1.000 vom Band.

Am Montag hatte eine knappe Mehrheit der Beschäftigten bei Ford in Genk für eine Wiederaufnahme der Produktion gestimmt. Dies bedeutete, dass am Mittwochmorgen wieder gearbeitet werden sollte. Dies machten die Unternehmensleitung und das Management von Fort Europa zur Bedingung für die Aufnahme von Gesprächen zu einem Sozialplan im Zuge der Werksschließung 2014.

Doch schon kurz nach der Urabstimmung der Gewerkschaftsbasis machten die Unterlegenen deutlich, dass sie die Werkstore weiter blockieren wollten. Sie riefen am Dienstag die Beschäftigten der im Genker Gewerbegebiet angesiedelten Zulieferunternehmen SML, Lear, Sycreon und IAC auf, die Werkstore bei Ford zu blockieren. 

Am Mittwochmorgen rückten rund 250 der ebenfalls vor der Entlassung stehenden Beschäftigten dieser Unternehmen an und sperrten zwei Eingänge, durch die normalerweise Personal und  Bauteile ins Ford-Werk gelangen, mit brennenden Paletten ab.

Die Gewerkschaften

Die Arbeitswilligen Ford-Arbeiter wurden auf das Gelände gelassen, doch deren Arbeit kann nur so lange dauern, wie der Vorrat an Bauteilen reicht. Bei Beginn der Tagesschicht wurde deutlich, dass etwa 95 % aller Beschäftigten zur Arbeit erschienen waren. Diese Zahl gab die Direktion des Werks bekannt.

Die Gewerkschaften stehen hinter der Wiederaufnahme der Produktion, die nur mit knapper Mehrheit zustande kam.

Die jetzt arbeitenden Beschäftigten erhalten eine Prämie von 40 % ihres Lohns zusätzlich, wenn sie in den kommenden drei Monaten arbeiten. Wer jetzt weiter streikt, der bekommt weder Lohn, noch Unterstützung aus der Streikkasse seiner Gewerkschaft. Doch durch die Tatsache, dass wegen des Streiks bei den Zulieferern doch nicht produziert werden kann, fällt auch die Prämie vorerst weg. Das Personal ist zwar im Werk, doch gearbeitet wird faktisch nicht.

Gerüchten zufolge planen die Ford-Manager für das Jahr 2013 in Genk die Produktion von 123.000 Neuwagen. Das sind deutlich mehr, als die 40.000 Autos, die im Zuge der Prämie in den kommenden drei Monaten montiert werden sollen. Für die Gewerkschaften ist dies ein Beleg für die Effizienz des Ford-Werks in Genk, denn offenbar plant man vorerst mit dem belgischen Standort weiter. Sie haben damit ein deutliches Argument mehr für die Verhandlungen zu einem Sozialplan für die Zeit nach der Schließung 2014.