Ford: Aktivisten gegen Gewerkschaftler

Im Rathaus von Genk (Foto) haben protestierende Aktivisten der Beschäftigten der Zulieferfirmen des vor Schließung stehenden Ford-Montagewerks drei Gewerkschaftler der Ford-Kollegen eine Zeit lang festgehalten. Sie akzeptieren nicht, dass die Ford-Gewerkschaftler bei Verhandlungen auch für sie sprechen.

Die Vertreter von drei verschiedenen Gewerkschaften wurden am Donnerstagabend am Rande von Gesprächen zwischen Vertretern von Ford und der Arbeitnehmer von Aktivisten der Zulieferbetriebe angegriffen und bis etwa Mitternacht festgehalten.

Danach konnten sie, allerdings unter Rangeleien und verbalen Angriffen, endlich abziehen. Genks Bürgermeister, Wim Dries (CD&V - kleines Foto), konnte die Gemüter nach rund zwei Stunden beruhigen und so mussten die rund 20 alarmierten Polizisten letztendlich nicht eingreifen.

Die Vertreter der Zulieferbetriebe von Ford, die 2014 im Zuge der Schließung des Standorts im limburgischen Genk ebenfalls vor großen Problemen stehen, sind mit der Strategie der Ford-Gewerkschaftler nicht einverstanden. Diese sprechen bei den Verhandlungen zur Erstellung eines Sozialplans auch für die Beschäftigten der Zulieferfirmen.

Vorruhestand mit 50?

In einer ersten konkreten Verhandlungsrunde zum Sozialplan für Ford in Genk hat sich die Direktion des belgischen Standortes des US-Autobauers mit der Möglichkeit, Beschäftigte, die älter als 50 Jahre sind, in den Vorruhestand gehen zu lassen. Die Manager wollen ein entsprechendes Verfahren einleiten.

Damit entspricht die Direktion Forderungen der Gewerkschaften. Alle drei Gewerkschaften, die sozialistische, die christliche und auch die liberale Gewerkschaft fordern diese Vorgehensweise für ihre angeschlossenen Mitglieder.

Bei der liberalen Partei Open VLD in Flandern ist dieses Thema jedoch sehr umstritten. Parteichef Alexander De Croo nannte es unverantwortlich, Beschäftigte mit 50 in den Vorruhestand zu entlassen, anstatt sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.