Probleme bei Fyra, auch Fehler der Politik

Die niederländische Regierung sei auch Schuld an den Problemen mit dem Fyra, nicht nur der Hersteller und der Betreiber. Das betonte Roel Berghuis, der Direktor der niederländischen Gewerkschaft FNV Spoor am Montag. Ein niederländischer Fahrgästeverband verlangt unterdessen, dass die Fyra-Probefahrten am Tag eingestellt werden.

"Die Probleme mit dem Fyra gehen über die üblichen Kinderkrankheiten, die sich beim Einsatz eines neuen Zuges vortun, hinaus", so Berghuis. Ihm zufolge seien von Anfang an die "falschen politischen Entscheidungen" getroffen worden.

So sei beim Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke keine Rücksprache mit den Belgiern getroffen worden, um die Strecken aufeinander abzustimmen. Bei der vorgeschriebenen europäischen Ausschreibung sei zudem nur auf den Preis geschaut worden. So habe der italienische Hersteller AnsaldoBreda den Zuschlag erhalten. Er habe die Züge am billigsten angeboten, aber kaum Erfahrung mit der Herstellung von Hochgeschwindigkeitszügen.

Dem Gewerkschafter zufolge gehöre das Zugpersonal zu den ersten Opfern der betrieblichen Probleme des Fyra. "Bei NS Hispeed arbeiten fähige Menschen, die mit den Mitteln auskommen, die sie haben und dabei die Sicherheit stets an die erste Stelle setzen. Sie leiden besonders unter dem Misserfolg des Fyra."

FNV Spoor fügt noch hinzu, dass der Fyra unter der störanfälligen Infrastruktur der Bahn leide. Als Beispiel nannte er kaputte Oberleitungen. Dieses Versagen der Infrastruktur falle in den Verantwortungsbereich des Schienennetzbetreibers ProRail und der Regierung.

Fahrgästeverband verlangt Verbot für Fyra-Probefahrten am Tag

Ein niederländischer Fahrgästeverband verlangt unterdessen, dass die Fyra-Probefahrten am Tag eingestellt werden. Das hat die Organisation in einem Schreiben an die niederländische Eisenbahngesellschaft ProRail mitgeteilt.

Am Sonntag war ein Thalys drei Stunden lang an der Grenze zwischen Belgien und den Niederlanden wegen eines liegen gebliebenen defekten Fyras blockiert.

Sämtliche Fyra-Fahrten sind eingestellt worden. Nur einige wenige Hochgeschwindigkeitszüge sind noch zu Testfahrten im Einsatz.

Der Fahrgästeverband befürchtet zudem, dass der Fyra Teile bei den Testfahrten verlieren könnte. Das könnte gefährliche Situationen für die anderen Züge und Passagiere zur Folge haben.

Wird NMBS die bestellten Fyras annullieren? NMBS stellt Ultimatum

Der niederländische Staatssekretär für Infrastruktur fordert indes einen Ersatz-Bahndienst, bis der Fyra zuverlässig ist.

Am heutigen Montag hat die belgische Bahn NMBS entschieden, dem italienischen Hersteller noch 3 Monate Zeit zu gebe, die Probleme mit dem Hochgeschwindigkeitszug zu lösen. Gelingt das dem Hersteller nicht, wird die belgische Bahn den Vertrag annullieren und damit die Bestellungen der Fyra-Züge rückgängig machen.

Inzwischen wird eine Direktverbindung zwischen Antwerpen und Roosendaal eingerichtet. Es handelt sich um einen Ersatzfahrdienst, der solange gilt, solange man sich noch nicht auf den Fyra verlassen kann.