Das Volk zittert: Kommt Dutroux vorzeitig frei?

An diesem Montagnachmittag erscheint Marc Dutroux, der größte Verbrecher Belgiens, vor dem Strafvollzugsgericht in Brüssel. Das muss über eine vorzeitige Haftentlassung mit Fußfessel entscheiden. Schon jetzt sorgt der Fall für Kontroversen in unserem Land. Die Möglichkeit, dass er tatsächlich frei kommt, ist jedoch äußerst gering.

Dutroux wurde 2004 wegen Entführung, Vergewaltigung und Mord zu einer lebenslangen Haft verurteilt.

Marc Dutroux sitzt seit 1996 im Gefängnis und das heißt, dass er theoretisch am 30. April frei gelassen werden kann. Er kann jetzt schon eine Fußfessel beantragen, allerdings muss eine Gefahr der Rückfälligkeit ausgeschlossen werden. Auch ist seine Haltung den Opfern gegenüber wichtig. Außerdem muss Dutroux eine Arbeit und eine feste Unterkunft vorweisen können. Dutroux hat beides, sagt sein Anwalt Pierre Deutsch. 

Dutroux Ex-Frau und Komplizin, Michelle Martin, wurde vergangenen Sommer frei gelassen. Auch für Dutroux sei das, laut seinem Anwalt, nicht ausgeschlossen: "Keine Chance, das wäre schrecklich für unsere Demokratie."

Um zwei Uhr an diesem Montag erscheint Dutroux also vor dem Strafvollzugsgericht. Verschiedene Opfer haben bereits Kritik geübt und mitgeteilt, dass sie der Anhörung nicht beiwohnen werden.

Kaum Chance, mit Fußfessel frei zu kommen

Um 14 Uhr wird Marc Dutroux in Brüssel erwartet. Dass die Anhörung in Brüssel statt findet und nicht im Gefängnis von Nivelles, ist übrigens vielen ein Dorn im Auge. Mit einer Anhörung im Gefängnis von Nivelles hätte man sich viele Mittel und Sicherheitsmaßnahmen sparen können, betonte unter anderem Innenministerin Joëlle Milquet am Sonntagabend auf dem Privatsender RTL-TVi.

Für die Ankunft von Marc Dutroux in Brüssel wurden insgesamt 200 Beamte zusammengetrommelt. Das kostet rund 50.000 Euro, so die Polizeigewerkschaften. Und die sind auch nötig, denn ein zweiter Ausbruch des Serienvergewaltigers und -mörders muss mit allen Mitteln verhindert werden. Die Polizeieskorte ist auch dazu da, Dutroux selbst vor eventuellen Übergriffen zu schützen.

Die Kontroverse ist zudem entstanden, weil einige finden, dass eine solche Anhörung sowieso nutzlos sei. Die Chance, dass Dutroux seine Strafe mit einer Fußfessel aussitzt ist sehr gering.

Auch Dutroux selbst sei offenbar nicht sehr froh darüber gewesen, nach Brüssel kommen zu müssen. "Marc Dutroux hat diesen großen Zirkus auch nicht gewollt", so sein Anwalt Pierre Deutsch in der Zeitung Het Nieuwsblad. "Eine Anhörung im Gefängnis wäre für jeden das einfachste gewesen."

Dass Dutroux an diesem Montag seine vorzeitige Haftentlassung mit Fußfessel verlangt, erhitzt schon seit einer ganzen Woche die Gemüter. So wollen Laetitia Delhez und Jean-Denis Lejeune, der Vater der von Dutroux ermordeten Julie Lejeune, unser Land vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg bringen. Sie fordern, dass die Opfer, mehr Gehör finden beim Verfahren vor dem Strafvollzugsgericht. Auch der Bruder von Eefje Lambrecks hat inzwischen juristische Schritte unternommen.

AP2004

Die lebenslange Haft, zu der Marc Dutroux 2004 verurteilt wurde, will der 56-Jährige nicht absitzen. Er will mit einer elektronischen Fußfessel vorzeitig entlassen werden. Am Montag hört sich das Gericht in Brüssel alle Argumente für und gegen eine vorzeitige Haftentlassung mit Fußfessel an. Danach hat es 14 Tage Zeit, um ein Urteil zu fällen. Es wird davon ausgegangen, dass Dutroux keinerlei Chance hat, vorzeitig mit einer Fußfessel frei zu kommen. Alle Gutachten sind negativ.

Aktivisten demonstrieren

Am Montag gegen Mittag hatten sich vor dem Brüsseler Justizpalast rund 20 Aktivisten der französischsprachigen rechtsextremen Gruppe Nation versammelt. Sie scharten sich hinter ein Spanntuch mit der Aufschrift "Pendons les pedophiles" ("Lasst uns die Pädophilen hängen"). Die Gruppe fordert unter anderem die Wiedereinführung der Todesstrafe für bestimmte Taten und in bestimmten Fällen für Wiederholungstäter.

Anhörung hat begonnen

Inzwischen hat die Anhörung zum Antrag Dutroux auf vorzeitige Haftentlassung begonnen.

Die Anhörung findet hinter verschlossenen Türen statt. Trotzdem sind unzählige Journalisten zum Justizpalast nach Brüssel gekommen. Sie hoffen, Belgiens wohl bekanntesten Verbrecher doch noch zu Gesicht zu bekommen.

Dieser war am Montagmorgen in aller Frühe vom Gefängnis von Nivelles in den Brüsseler Justizpalast gebracht worden. Sogar der Konvoi, der ihn gebracht hatte, konnte den Kameras entgehen.

Die Familie der ermordeten Eefje Lambrecks, Vater Jean und Bruder Leendert, sind persönlich zur Anhörung gekommen. Ihnen stehen ihre Partner und Anwälte bei.