Vlaams-Belang-Politiker Agent der Staatssicherheit?

Der Chef der Staatssicherheit, Alain Winants, bezichtigt Debies Beichte, er habe seine Partei, den rechtsextremen Vlaams Belang, für die Staatssicherheit ausspioniert, als ein Delikt. Er zieht jedoch auch Debies Tätigkeit als Spion in Zweifel.
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Mit seiner Beichte über seine Jahre als Informant der Staatssicherheit beim Vlaams Belang erregte Bart Debie am Montagmorgen Aufmerksamkeit.

Debie sagte, er habe aus Eigeninitiative gehandelt, nachdem mehrere Mitglieder der Partei an der Veranstaltung von Neonazikonzerten teilgenommen hätten und in rechtsextreme Gruppierungen, darunter Blood and Honour, verwickelt gewesen seien.

Den direkten Ausschlag habe Filip Dewinters Idee gegeben, Kalaschnikowgewehre im kriminellen Milieu zu kaufen und darüber eine Pressekonferenz zu veranstalten.

Sein damaliger Parteigenosse und Freund, Filip Dewinter, vernahm Debies Verrat aus den Medien und reagierte geschockt und tief enttäuscht.

Debie sagte auch, die Staatssicherheit habe sich vor allem für die Geldmittel und -ströme des Vlaams Belang interessiert.

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Winants: Wenn das stimmt, hat Debie Delikt begannen

Der Chef der belgischen Staatssicherheit, Alain Winants, reagierte äußerst zurückhaltend auf Debies Behauptungen.

Winants betonte, dass die Staatssicherheit keine Politiker, Parlamentarier oder Parteien beschatte oder observiere. Von Interesse seien nur "ihre eventuellen Kontakte mit extremistischen Gruppierungen im Ausland oder Gruppierungen, die Hetzkampagnen gegen den Islam organisieren".

Er dementierte ebenfalls, dass Debie ein Informant gewesen sein. "Hätte er diese Funktion tatsächlich innegehabt, wären seine Erklärungen in der Zeitung ein Delikt. Und auch mir könnte die Tatsache, dass ich hier von Debie als Informant rede, zur Last gelegt werden", so entkräftigte Winants die Behauptungen Debies über seine Beziehungen zur Staatssicherheit.

Bart Debie: kein unbeschriebenes Blatt

Als Polizeikommissar in Antwerpen musste Bart Debie Mitte des Jahres 2010er Jahre zurücktreten, nachdem gegen ihn und seine Truppe Anzeige wegen brutaler und fremdenfeindlicher Verhörmethoden erstattet worden war. Debie wurde wegen extremer Gewalt und Schriftverfälschung verurteilt.

Filip Dewinter von Vlaams Belang verschaffte ihm daraufhin eine Stelle als Sicherheitsexperte der Partei und wurde dessen enger Mitarbeiter.

Nach besonders gemeinen Kommentaren über den Gesundheitszustand der ehemaligen Parteigenossin Marie-Rose Morel, inzwischen an Krebs verstorben, wurde Debie 2010 aus der Partei ausgeschlossen.