Das Staatsarchiv zeigt „Beschädigtes Belgien“

Das belgische Staatsarchiv in Brüssel zeigt noch bis Ende Februar eine Ausstellung über die Kriegsschäden, die unser Land während des Zweiten Weltkriegs erlitten hat und die Vorgänge, die die entsprechenden Entschädigungen danach erforderten. Reich bebildert mit Originalaufnahmen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit veranschaulichen dies auf beeindruckende Weise.

Das Staatsarchiv steht unter dem Generalverdacht, eine staubige Behörde zu sein, in der sich enorm viel Papier angesammelt hat. Doch diese Papierflut ist nur vordergründig „Altpapier“, denn sie birgt Geschichte und Geschichten. Davon erzählt die Ausstellung „Beschädigtes Belgien“ in den Räumen des belgischen Staatsarchivs in Brüssel.

Die Ausstellung zeigt anhand von originalen Fotos, Plänen, Zeichnungen und Aktenstücken, wie Verfahren von Schadensersatzforderungen in der Nachkriegszeit vonstattengingen. In den Jahren 1940 bis 1945 musste Belgien während der Kriegswirren enorme Schäden hinnehmen. Teilweise geschah dies durch Bombenangriffe oder durch Artilleriebeschusse, teilweise aber auch durch Brandstiftung, durch Sabotageanschläge von Seiten der deutschen Besatzer oder des belgischen Wiederstands. Nicht zuletzt verloren auch Privatleute oder Unternehmer Fahrzeuge, Tiere, Maschinen und Produkte durch Beschlagnahmung.

Nach dem Krieg forderten die meisten Betroffenen Schadenersatz von den ehemaligen Besatzern oder vom belgischen Staat. Dabei ging es um grundsätzliche Angelegenheiten, wie ein von Bomben zerstörtes Wohnhaus oder eine verbrannte Firma. Aber, jeder Fall und jedes Verfahren haben ihre eigene Geschichte und solche Geschichten veranschaulicht die Ausstellung „Beschädigtes Belgien“ im Staatsarchiv anhand von Originaldokumenten.

Interessante Beispiele

Ein Fall zum Beispiel, der mit einem Foto und mit einer einfachen Zeichnung unterstrichen wird, ist der Antrag auf Schadenersatz einer Schaustellerfamilie, die durch eine Bombe ihren Kirmeswohnwagen verloren hatte und dadurch in ihrer Existenz bedroht war. Doch jeder Beweis, und sei er noch so klein, war für den Vorgang wichtig. Dramatische Bilder zeigt ein Verfahren, dass die Tötung von Tieren aus dem Zoologischen Park von Berchem bei Brüssel betraf. Dutzende abfotografierte Tierkadaver – Wölfe, Bären und andere Tiere – belegen, dass der kleine Zoo keine Attraktionen mehr hatte und ebenfalls in der Existenz bedroht war.

Zudem bereichern viele Fotos von zerstörten Wohnungen, Kirchen, Bauernhöfen, Fabriken und ähnlichem die Ausstellung. Fast immer belegen Bilder aus der Vorkriegszeit den Zustand vor der Zerstörung. Die Ausstellung ist denn auch eine historische Übersucht, über im Krieg zerstörtes Privateigentum, dass danach so nie wieder zu sehen war.

Das Staatsarchiv liegt in der Ruisbroekstraar 2, 1000 Brüssel (ganz in der Nähe des Zentralbahnhofs und des Kunstbergs) und die Ausstellung ist von Montag bis Samstag geöffnet. Mehr Info bietet die Webseite des Staatsarchivs: http://arch.arch.be/