EU-Zuschuss kommt nicht beim Bauern an

Die Zuschüsse, die die Europäische Union in die Landwirtschaft fließen lässt, kommen nicht unbedingt bei den Bauern oder den Agrarunternehmen in Belgien an. Einige Gelder erreichen Bereiche, die gar nichts mit Landwirtschaft zu tun haben, wie einige flämische Medien am Dienstag meldeten.

Das belgische Zahlungsorgan für europäische Subsidien, Belpa, führt in seinen Statistiken an, dass insgesamt 6.084 Einrichtungen in unserem Land dieses Jahr von EU-Zuschüssen für die Landwirtschaft in Höhe von 228 Millionen € profitieren.

Doch das sind bei weitem nicht nur Landwirte oder Agrarbetriebe. Unter den Begünstigten sind nach Angaben der flämischen Tageszeitungen De Standaard, De Tijd und Het Laatste Nieuws auch die Bank BNP Paribas Fortis, die Unternehmer- und Mittelstandsverbände Voka und Unizo, der schwedische Möbelgigant Ikea, königliche Stiftungen und belgische Adelsfamilien.

Unter anderem sollen vier- bis fünfstellige Zuschüsse an die Königliche Schenkung geflossen sein, die damit Teile des Unterhalts der königlichen Residenz in Ciergnon finanziert. Auch die Compagnie „Het Zoute“ der reichen Familie Lippens in Knokke soll Zuschüsse erhalten haben, genauso, wie ein Unternehmen, dass die Ländereien und das Schloss der Adelsfamilie Boël verwaltet.

Weiter profitieren Kirchenfabriken, Sozialämter, Städte und Gemeinden, die christliche Arbeiterbewegung ACW, ein Theaterfestival und das Gefängnismuseum Merksplas von EU-Agrarzuschüssen.

„Problem erkannt“

Bart Staes (kleines Foto), Europaabgeordneter der flämischen Grünen Groen, gab an, das Problem schon längst erkannt zu haben. Er und seine Partei würden schon lange für eine Reform der Agrarpolitik in Belgien und im belgischen Bundesland Flandern eintreten.

Diese Politik sei derzeit nicht effektiv und erreiche die Landwirte an sich nur unzureichend. Stattdessen würden nur Großbetriebe in der Agroindustrie oder agrarfremde Einrichtungen und Großgrundbesitzer massiv bezuschusst.

Der belgische Bauernbund befürchtet zudem, dass die belgischen Landwirtschafts- und Gartenbauunternehmen an Kaufkraft verlieren werden, denn die EU hat im Rahmen ihres neuen Haushalts zum ersten Mal beschlossen, die Agrarausgaben und damit die entsprechenden Zuschüsse zu senken. In den kommenden Jahren würde die belgische Landwirtschaft, so der Bauernbund, stufenweise bis zu 800 Mio. € verlieren.

Beim belgischen Bauernbund ist man der Ansicht, dass das, was die Politik sage und das, was sie letztendlich mache, widersprüchlich sei: „Man bittet uns, mit dem Tierschutz Rechnung zu tragen und umweltfreundlich zu arbeiten, doch wir müssen dies mit stets weniger EU-Zuschüssen bewerkstelligen.“