Nazi-Parodie in Aalst schockiert die Unesco

Dass im weit über die Landesgrenzen hinaus als politisch unkorrekt bekannten Karneval von Aalst eine Nazi-Parodie auf die flämischen Nationaldemokraten der N-VA auftauchte, ist der Unesco übel aufgestoßen. Der Karneval von Aalst steht auf der Unesco-Liste des Kulturerbes. Doch die internationale Organisation will nicht hinnehmen, das mit dem Holocaust Schabernack getrieben wird.

Beim traditionellen Karnevalszug in der ostflämischen Stadt Aalst kennt der Spott bekanntlich keine Grenzen. Politische Korrektheit ist an den tollen Tagen in Aalst verpönt und so wundert es in Flandern auch niemanden, dass die Karnevalsgruppe Eftepie als SS-Soldaten verkleidet als SS-VA durch die Stadt zog und einen Deportationswagen für Frankophone mit sich führte. Ziel des Spotts waren die flämischen Nationaldemokraten der N-VA, deren Parteichef Bart De Wever, dem neuen Antwerpener Bürgermeister und dessen Parteifreund Christoph D'Haese, der neue Bürgermeister von Aalst.

Was in Aalst und eigentlich auch im Rest von Flandern mit Schmunzeln bedacht wurde - auch bei der so angegriffenen N-VA, schockierte die Unesco, die am Dienstag eine scharfe Presseerklärung veröffentlichte. Darin hieß es: „Auch wenn der Karneval für die Freiheit der Meinungsäußerung und für Satire steht, bildet dies keine Rechtfertigung für den Griff zu antisemitischen Stereotypen.“ Unesco-Generaldirektorin Irina Bokova (kleines Foto) hält den Vorfall für ein „unannehmbares Schauspiel, dass eine Beleidigung für die Erinnerung an die sechs Millionen Juden darstellt, die während des Holocausts gestorben sind.“

Für die Unesco und ihre Leiterin ist die Nazi-Parodie im Aalster Karneval, der nicht zuletzt zum Kulturerbe der Menschheit gehört, das genaue Gegenteil dessen, was die närrische Zeit in der ostflämischen Stadt eigentlich vermitteln sollte und steht damit diametral auch gegenüber den Zielen der internationalen Einrichtung: Verständnis, Toleranz und Frieden.

Im Karneval von Aalst wird kein Blatt vor den Mund genommen. Das belgische Königshaus kommt dabei ebenso schlecht weg, wie der homosexuelle Premierminister unseres Landes, die Parteien und deren Politik im Allgemeinen und auch die eine oder andere Person im öffentlichen Leben der Gesellschaft. Proteste dagegen gibt es eigentlich nie, auch nicht von Seiten des Königshauses, das zu anderen Gelegenheiten wenig zimperlich ist, wenn es satirisch oder anderweitig attackiert wird.

Flanderns Kulturministerin reagiert

Flanderns Landesministerin für kulturelle Angelegenheiten Joke Schauvliege (CD&V - Foto) hat der Unesco ein Schreiben zukommen lassen, in dem sie die Traditionen des Karnevals in ihrem Bundesland in historisch-kulturellem Kontext erklärt. Schauvliege sagte dazu, dass er Karneval natürlich ein Moment sei, in dem man sich über die Aktualität und die darin mit einbezogenen Personen Spott treibt. Dies geschehe - besonders in Aalst - meist auf sehr groteske Weise und greife zu stereotypischen Beispielen. „Das ist nun einmal das, was diesen Karneval charakterisiert“, so Schauvliege.

Die Ministerin versicherte aber auch, dass Flandern jede Form von Antisemitismus und Rassenhass verurteile. Die Karnevalisten von Aalst und die Kulturministerin bedauern, wann die Auffassung entstanden sei, dass man hier antisemitische Auffassungen verbreiten wolle. Ministerin Schauvliege entschuldigte sich denn auch bei den jüdischen Menschen, die sich verletzt fühlen.

Auch der Bürgermeister von Aalst, der N-VA-Politiker Christoph D’Haese, der ebenfalls von der betreffenden Karnevalsgruppe derart auf die Schippe genommen wurde, bedauert die Reaktionen auf die Parodie und ist sich sicher, dass die Karnevalisten nicht wollten, dass sich jemand verletzt fühlt.