Priscilla: Verdächtiger nach Formfehler frei

Der Hauptverdächtige im Fall um den Tod des 14 Jahre alten Mädchens Priscilla aus Huizingen in Flämisch-Brabant musste aufgrund eines juristischen Verfahrensfehlers auf freien Fuß gesetzt werden. Jetzt soll eine neue Klage den Mann wieder hinter Gitter bringen.

Die Leiche der 14jährige Priscilla war im Juli 2012 in einem Feld in Dworp in Flämisch-Brabant aufgefunden worden. Knapp einen Monat später verhaftete die Polizei drei Verdächtige in diesem Tötungsdelikt: den 41 Jahre alten Nachbarn der Familie des Mädchens und zwei minderjährige Jungendliche - ebenfalls aus der Nachbarschaft. Die Ermittlungen ergaben, dass das Trio das Mädchen peinigte und erniedrigte, bis es zu Tode kam.

Doch am Dienstag musste die zuständige Staatsanwaltschaft den 41jährigen Hauptverdächtigen aus der Untersuchungshaft entlassen, denn im Zuge der Ermittlungen wurde ein schwerwiegender Verfahrensfehler begangen. Zunächst war der Mann des Totschlags angeklagt. Deshalb musste er alle drei Monate vor dem Haftrichter erscheinen. Doch später wurde die Anklage in Folter mit erschwerenden Umständen und Notzucht mit erschwerenden Umständen umgewandelt. Beide Delikte werden mit Haftstrafen von 20 Jahren geahndet.

Dagegen ging die Verteidigung in Berufung und erneut wurde die Anklage in Teilen umgewandelt. Nun ging es um „unmenschliche Behandlung“, wofür Haftstrafen von 15 bis 20 Jahren verhängt werden. Das hatte formell zur Folge, dass der Angeklagte jeden Monat vor dem Haftrichter erscheinen musste. Doch dies wurde nicht eingehalten und aus diesem Grunde erfolgte die Freilassung des Angeklagten wegen Verfahrensfehler. Zu allem Überfluss wurde die Familie des Opfers von dieser Freilassung nicht unterrichtet, was bei ihr für einen Schock sorgte.

Neue Anklage

Jetzt hat einer der beiden Minderjährigen, die ebenfalls unter Verdacht im Fall Priscilla stehen, Klage gegen den 41jährigen Hauptverdächtigen wegen Notzucht eingereicht. Der Anwalt des 12jährigen wollte auf die Inhalte der Klage nicht eingehen, doch offenbar handelt es sich hierbei um ein scherwiegendes sittliches Vergehen. Ergänzend soll diese Klage auch auf Anstacheln zum Schikanieren lauten.

Das bedeutet, dass der Minderjährige dem Hauptverdächtigen vorwirft, von diesem zum Quälen des zu Tode gekommenen Mädchens angesetzt worden ist. Mit diesen Vorwürfen soll der 41jährige wieder schnell in Untersuchungshaft genommen werden können. Offenbar hat die Justiz hier nach einer Möglichkeit gesucht, den Verfahrensfehler in Teilen auszubügeln.