Der alternative Antrieb für Belgien

Ein Vorschlagspaket der Europäischen Union für saubere Energie für den Verkehr legt fest, dass in Belgien bis 2020 mindestens 21.000 Zapfsäulen für Elektro-Autos entstehen sollen.

Derzeit zählt unser Land laut ASBE, der belgischen Sektion des europäischen Elektro-Auto-Verbandes, 400 Elektrotankstellen. Jede Tankstelle kann mit bis zu sechs Ladesteckern ausgerüstet werden.

"21.000 Ladestellen, sind ein ehrgeiziges Ziel, aber wir befinden uns auf einem Markt in voller Expansion", so Joeri de Ridder, der Präsident von ASBE.

Die Zahl der verkauften Elektro-Autos in Belgien ist nach wie vor äußerst gering. Den Zahlen des belgischen Verbandes der Autoindustrie FEBIAC zufolge, wurden 2010 gerade einmal 47 Autos diesen Typs verkauft. 2011 waren es 270 und im letzten Jahr 878. Das ist im Vergleich zu den 486.737 im letzten Jahr verkauften Neuwagen in Belgien natürlich sehr wenig. In dieser Statistik sind allerdings keine zweisitzigen, autoähnlichen vollelektrischen Kraftfahrzeuge wie der Renault Twizy enthalten und auch keine Plug-in-Hybrid-Autos wie der Toyota Prius.

"Das ist ein Markt in voller Entwicklung, der in Belgien gerade erst gestartet wurde", erklärt Joeri de Ridder, der Präsident von ASBE noch, der in Belgien Avere, den europäischen Elektro-Auto-Verband, präsentiert. Er räumt ein, dass Belgien im Vergleich zu seinen Nachbarn und anderen europäishcen Ländern weit hinterher hinke.

"Nehmen Sie eine Stadt wie Oslo. Allein dort gibt es derzeit über 1.000 Ladestationen." Gleichzeitig betont er, dass dieser Erfolg auf eine vorteilhafte Steuerpolitik zugunsten solcher Autos zurückzuführen sei. "In Norwegen wird ein klassisches Fahrzeug mit 200% besteuert, während ein Elektroauto gar nicht beseuert wird", so Joeri de Ridder.

Ein Hindernis auf europäischer Ebene sei auch noch die Harmonisierung bei den Ladesteckern und beim Zahlungssystem. Entwürfe hierzu gebe es jedoch.

Trotzdem werfen 21.000 Ladestationen eine Reihe von Fragen auf, zum Beispiel zur Kapazität des Stromnetzes, das dieser neuen Nachfrage nachkommen muss. "Damit das lokale Stromnetz nicht überlastet ist, müssten die Elektro-Autos langsam nacheinander und nachts aufgeladen werden", erklärt Noé Lecocq, verantworltich für Verkehr und Energie bei Inter Environnement Wallonie (IEW).

Außerdem kommen Zweifel zum tatsächlichen Umweltvorteil solcher Elektro-Autos auf. "Das Elektro-Auto ist kein Allheilmittel", erklärt Noé Lecocq noch. "Die Produktion eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor erzeugt im Durchschnitt 5 Tonnen CO2. Bei einem Elektro-Auto reden wir über 9 Tonnen produziertem CO2!"

Hinzu komme noch die Gefahr, dass die neue Nachfrage, die durch die Elektro-Autos entstehe, sich aus Energie, die in Gaszentralen produziert wird, zusammenstelle oder noch schlimmer aus Kohlekraftwerken komme, bemerkt Pierre Courbe, ebenfalls von Inter Environnement Wallonie (IEW).

Ein Masterplan der Regierung, der 2011 angeregt wurde, sei derzeit in Entwicklung. Dieser Masterplan schenke den Autos unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit, obwohl es doch noch andere nachhaltigere Transportmöglichkeiten gebe, so Courbe abschließend.