Dutroux nicht freilassen, bittet seine Mutter

Die Mutter von Belgiens wohl bekanntestem Verbrecher Marc Dutroux, Jeannine L. (78 Jahre), spricht zum ersten Mal seit 2004 öffentlich über ihren Sohn. In einem Exklusivinterview mit der französischsprachigen Zeitung Le Soir Magazine bittet sie die Justiz, ihren Sohn nicht frei zu lassen. Seit über 16 Jahren sitzt dieser im Gefängnis und will nun mit einer elektronischen Fußfessel in die Freiheit.

Das Strafvollzugsgericht in Brüssel entscheidet am heutigen Montag über einen Antrag Dutroux, vorzeitig mit einer elektronischen Fußfessel in die Freiheit entlassen zu werden.

Als Vorbild diente dem Kinderschänder und -mörder seine Exfrau und Komplizin Michelle Martin, die im vergangenen August nach 16 Jahren Haft freigekommen ist. Doch ihr Fall lag anders: Martin war nur seine Komplizin. Ihre Taten - sie ließ zwei Mädchen im Keller des Hauses verhungern - bedauerte sie. Außerdem lebt Martin seit ihrer Freilassung in einem Kloster.

Dutroux, heißt es, habe bislang keine Reue gezeigt. Wohl kaum jemand in Belgien ist tatsächlich der Meinung, dass Dutroux ab dem 30. April frei kommen könnte. Er erfülle die Voraussetzungen nicht. Sämtliche Gutachten seien negativ.

Jetzt hat sich auch seine Mutter an die Öffentlichkeit gewandt. Sie sieht ihn lieber im Knast. "Ich weiß, dass er irgendwann frei gelassen wird, aber ich hoffe, dass ich dann nicht mehr lebe. Er ist ein überzeugter Wiederholungstäter. Das hat er bereits sein ganzes Leben lang bewiesen", so die Mutter.

Im Interview erzählt Jeannine L., dass er als junger Mann nie zufrieden gewesen sei und dass er die Verantwortung für seine Taten stets auf andere abgewälzt habe.

Ihr Sohn, der ihrer Meinung nach keinen Kontakt zu seiner Familie habe und auch nicht zu seinen drei Kindern, sei eine Gefahr für die Gesellschaft. "Ich bin sicher, dass er rückfällig wird. Er hat keinerlei Realitätssinn. (...)." Er werde vielleicht keine Kinder mehr entführen, weil er dazu vielleicht nicht mehr imstande sein werde, aber er werde wieder eine Gruppe Menschen finden, die für ihn arbeiteten und er werde neue Taten begehen. "Ich fühle nicht das geringste Bedürfnis, dass er freigelassen werden sollte. Er hat mir zuvor schon so viel Unrecht getan. Wissen Sie, dass er mir erzählte, dass er mich und seinen Vater töten würde, um schneller zu erben."

Das Le Soir Magazine zu Dutroux, das extra an diesem Montagmorgen an den Zeitungsständen verkauft wird, umfasst 10 Seiten und enthält auch Jugendfotos von Marc Dutroux. Seine Mutter will damit beweisen, dass er als Kind nicht geschlagen und erniedrigt woden sei, wie immer wieder behauptet wird. Jeannine L. hat auch einen öffentlichen Brief geschrieben und unterzeichnet mit "die Mutter, die davon die Nase voll hat".

Unterdessen ist Joris Vercraeye, der Anwalt des Vaters von Eefje Lambrecks, einem Opfer von Marc Dutroux, davon überzeugt, dass Dutroux nicht freikommt.

Bruder von Eefje erhebt Anklage gegen Martin

Der Bruder von Eefje, Leendert Lambrecks, hat inzwischen Klage gegen die Ex-Frau und Komplizin Dutroux erhoben. Damit verpflichtet er den Untersuchungsrichter zu ermitteln, ob sich Martin wegen Betrugs starfbar gemacht hat. Darauf steht eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren.

Anwalt Luk Delbrouck vertritt den Bruder von Eefje. "Martin hat sich bewusst unvermögend gemacht, damit sie keine Entschädigungszahlungen an ihre Opfer leisten muss", so Delbrouck.

"So weigerte sie sich das Erbe ihrer Mutter anzunehmen und überließ es ihren Kindern, obwohl sie wusste, dass sie zu einem hohen Schadensersatz verurteilt werden würde. Und während ihres Aufenthalts im Gefängnis hat sie gearbeitet, aber nicht eine Zivilpartei vergütet. Sie hat Möbel und anddere Güter sehr wohl entgegen genommen und sie im Kloster von Malonne untergebracht, wo sie nun lebt."