Der Prozess gegen Kim De Gelder beginnt

In Gent hat am Dienstagmorgen der Prozess gegen den mehrfachen Mörder Kim De Gelder begonnen. De Gelder brachte Anfang 2009 eine betagte Frau um und richtete danach ein Blutbad in einer Kindertagesstätte in Dendermonde an. Jetzt muss er sich vor einem Schwurgericht verantworten.
Prozessauftakt gegen Kim De Gelder in Gent

Knapp drei Jahre hat es gedauert, bis der Prozess gegen den vierfachen Mörder Kim De Gelder beginnen konnte. Den voraus gegangen war ein langwieriger Streit zwischen Psychologen und Psychiatern zu der Frage, ob der zur Tatzeit 22jährige Kim De Gelder zurechnungsfähig ist oder ob er in vollem Umfang Schuldfähig ist. Dazu liegen mehrere gegenteilige Gutachten vor.

Kim de Gelder hatte Mitte Januar 2009 eine 72jährige Frau in deren Wohnung in Varsenare bei Jabbeke (Westflandern) mit mehreren Messerstichen getötet. Eine Woche später, genauer am 23. Januar 2009, richtete er ein Blutbad in der Kindertagesstätte “Het Fabeltjesland” in Dendermonde (Ostflandern) an. Dabei erstach er eine 54 Jahre alte Kleinkindbetreuerin und danach zwei Babys.

De Gelder konnte kurz nach der letzten Tat gestellt werden. Er hatte sich mit seinem Fahrrad aufgemacht, eine weitere Kinderkrippe in Dendermonde zu überfallen. In seinem Rucksack fanden die Ermittler weitere Waffen, darunter Messer und eine Axt.

Jetzt müssen 12 Geschworene darüber urteilen, ob De Gelder in vollem Umfang schuldfähig ist und ob es als erwiesen gelten kann, dass er vier Menschen ermordet hat. Zudem kommt noch der Vorwurf des 25fachen Mordversuchs, denn in “Het Fabeltjesland” verletzte er einige weitere Personen, darunter Kleinkinder und er wollte weiter töten. Sein Motiv: Rache an der Gesellschaft.

Schwieriges Verfahren schon im Vorfeld

Am ersten Prozesstag wurden die 12 Geschworenen ausgesucht. Dazu waren 180 Personen aus der Provinz Westflandern im Alter von 30 bis 60 Jahren vorgeladen worden. 110 von ihnen konnten begründen, warum sie diesem Aufruf nicht folgen können. Aus den 70 übrig gebliebenen Kandidaten wurden 8 Männer und 4 Frauen ausgewählt plus 6 Ersatzkandidaten (jeweils 3 Männer und Frauen). Diese müssen in den kommenden vier Wochen über Kim De Gelder, dessen geistigen Zustand und über dessen Straftaten ein Urteil fällen. Am Mittwoch wird der Prozess dann beginnen.

Im Vorfeld der Zusammenstellung des Geschworenengerichts hatte das Gericht in Gent einen Antrag der Vertreter einiger Zivilparteien abgewiesen, die eingefordert hatten, genauso, wie die Verteidigung Geschworene ablehnen zu dürfen. Dies jedoch lehnte die Verteidigung De Gelders aus formaljuristischen Gründen ab, was zu einer ersten Unterbrechung des Prozessbeginns führte.