Pferdefleisch-Skandal erreicht Belgien

Der Pferdefleisch-Skandal hat Belgien endgültig eingeholt. Bisher wurden nur vereinzelt Fertiggerichte aus den Regalen von Supermärkten genommen, doch jetzt wurde bekannt, dass für den Verzehr nicht geeignetes Fleisch von hunderten Pferden in die Lebensmittelkette in Belgien geraten ist.

Die frankophone Zeitschrift Moustique brachte die Sache ans Tageslicht. Demnach liegt der Ursprung des Falles bei einem Pferdehändler aus Neufchâteau im Süden der Ardennen in der Provinz Luxemburg. Der Händler hatte Pferde in großer Zahl in Deutschland und Frankreich gekauft: kranke Pferde und auch Sportpferde, die viele Medikamente bekommen hatten, wodurch ihr Fleisch für den Verzehr ungeeignet war.

Durch gefälschte Papiere ist das Fleisch dieser Tiere doch in die Lebensmittelkette in Belgien geraten. Hier nennt das Blatt Moustique einen Schlachthof im flämischen Kortrijk. Die Staatsanwaltschaft von Neufchâteau begann bereits 2011 mit Ermittlungen gegen den Pferdehändler und gegen den Schlachthof in Kortrijk.

Die Ermittler informierten in diesem Zusammenhang auch die Bundesagentur für Lebensmittelsicherheit. Seit Juni 2011, als die Ermittlungen ihren Anfang nahmen, ist kein Fleisch mehr aus Neufchâteau in den Handel geraten, so die Agentur.

Die Lebensmittelagentur hatte den Fall nicht veröffentlicht, um die Ermittlungen nicht zu stören. Dies allerdings wirft eine nicht unerhebliche Frage auf: Was ist wichtiger? Eine geheim gehaltene Fahndung oder die Sicherheit in der Lebensmittelkette? Die Agentur meldet dazu, dass der vorliegende Fall nichts mit dem europaweiten Pferdefleischskandal zu tun habe, bei dem als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch in billigen Fertiggerichten verarbeitet wurde. Nach der Entdeckung von Pferdefleisch in Fleischgerichten in Slowenien sind jetzt schon 13 europäische Länder von dem Skandal betroffen.

AP2013

Die Politik zeigt sich erbost

Flanderns Landeschef und Landwirtschaftsminister Kris Peeters (CD&V - Foto) zeigte sich verstimmt darüber, dass er nichts davon wusste, dass dubioses Pferdefleisch in den Lebensmittelzyklus eingeschleust wurde. Auch von den Ermittlungen, die sich auch gegen einen Schlachthof im flämischen Kortrijk richteten, wurde ihm nichts mitgeteilt. Er verlangt von den Bundesbehörden und von den zuständigen Bundesministern Auskunft über den Vorgang.

Bundeslandwirtschaftsministerin Sabine Laruelle (MR) wollte sich zu dem Fall vorerst nicht äußern. Verbraucherschutzminister Johan Vande Lanotte (SP.A) gab an, dass inzwischen feststehe, dass kein mit Medikamenten kontaminiertes Pferdefleisch zu den Verbrauchern gelangt sei. Die Kontrollen der Bundesagentur für Lebensmittelsicherheit seien dermaßen dicht und sicher, dass niemand etwas zu befürchten habe.

Vande Lanotte gab auch an, dass die Behörden weiterhin Stichproben durchführen würden, die sich gegen Pferdefleisch in Fertiggerichten in Supermärkten richten. Diese Stichproben seien sehr häufig und engmaschig und hätten keine Probleme mehr als Tageslicht gebracht.