Grüß Gott, Salzburg!

In diesem Studienjahr bzw. in diesem Wintersemester sind bzw. waren 17 Genter Studenten in Österreich. Nur 2 Studenten aus Österreich sind hingegen in Gent. Die Salzburgerin Christina-Maria, die mit Erasmus in Gent war, hatte dem Flamen Niels, der ein Semster an der Uni Salzburg studierte, geschrieben. Niels ist inzwischen wieder zu Hause und antwortet Christina-Maria jetzt: Falls er je nach Salzburg zurückkehre, werde er, neben den zahlreichen Würstlständen dort, einen Stand mit belgischen frietjes eröffnen.

Liebe Christina-Maria,

Ein bisschen traurig, aber auch sehr dankbar für die wunderschöne Erfahrung, antworte ich wieder aus meinem Heimatland Belgien auf Deine E-Mail. Die letzten fünf Monate lebte ich in Ruhe und Frieden zwischen den schneebedeckten Bergen und unter dem immer wachsamen Blick der Festung Hohensalzburg. Eine Zeit, die ich nie vergessen werde und in der ich sehr viel gelernt habe: Über mich selbst, über Salzburg und Österreich, über Europa, über das Leben im Allgemeinen!

Sehr lebendig erinnere ich mich noch an die Zweifel, mit denen meine Entscheidung für ein Auslandsemester verbunden waren. Viel musste ich für einige Monate in Belgien hinterlassen, wenig wusste ich von Österreich und von Salzburg. Die Mozartstadt.

Die Leute warnten mich vor dem Salzburgerisch, das ich nicht verstehen würde und das von manchen sogar als nicht "richtiges Deutsch" angesehen wurde! Jetzt kommen mir all diese Zweifel lächerlich vor. Fünf Monate gehen (zu) schnell vorbei. Salzburg verdient ein schöneres Etikett als "die Mozartstadt" und obwohl ich vom salzburgerischen Dialekt immer noch nicht viel verstehe, werde ich den Charme des Hochdeutschen mit salzburgerischem Akzent vermissen.

Eine kleine Erasmus-Familie

Ein Riesenvorteil beim Erasmus-Projekt in Salzburg ist, dass die Stadt nicht allzu groß und sehr gemütlich ist. Ich glaube, dass Gent in diesem Bereich viele Ähnlichkeiten mit Deiner Heimatstadt hat. Der (relativen) Kleinheit der Stadt wegen, konnte ich schnell viele Erasmusstudenten kennenlernen. Von Anfang an herrschte ein Familiengefühl: Jede Woche wurde eine Vielfalt an Ausflügen organisiert (und nicht nur zu den Pubs oder zum Republic, wo viele Partys stattfanden).

Dabei war für mich als Belgier die traumhafte Berglandschaft um Salzburg am interessantesten. Hast Du die Berge nicht vermisst? Jeder Morgen fing für mich mit einem Blick aus dem Fenster zum Hauptbahnhof und zu den Bergen im Hintergrund an, während ich jetzt in der Früh leider nur noch einige Maulwurfshügel sehe.

Die Hiking-Trips, die wir während der ersten Wochen mit einer großen und begeisterten Gruppe gemacht haben, sind die schönsten, die ich überhaupt je gemacht habe. Vor allem der abenteuerliche Spaziergang mit Sicht auf den Köningssee ist mir in Erinnerung geblieben (Foto). Im Winter brachten die Berge dann den Schnee, die wir – als erwachsene Kinder – genießen konnten. Riesige Schneeballschlachten und Skifahr-Versuche machten immer wieder Spaß.

Auch andere Ausflüge werde ich nicht vergessen. So organisierte das Büro für International Relations von der Universität Salzburg (das die ausländischen Studenten übrigens sehr gut betreut!) einen Ausflug zur Naturlandschaft "die Hohen Tauern". Wir haben u.a. die Krimml-Wasserfälle und das Salzbergwerk in Hallein gesehen. Außerdem verbrachten wir ein Wochenende in Österreichs Hauptstadt Wien und konnten einem Champions League-Spiel von Bayern München beiwohnen, ein Traum für jeden Fußballfan! Das weißrussische BATE Borisov wurde mit 4:1 zurück nach Hause geschickt.

Gemütlichkeit im hypermodernen Unipark

Natürlich darf zwischen allen diesen Erfahrungen das eigentliche Ziel eines Erasmus-Studiums nicht aus dem Auge verloren werden: Studieren! Auch in diesem Bereich hat mir Salzburg sehr gefallen.

Als Student mit den Fächern Deutsch und Französisch hatte ich alle meine Lehrveranstaltungen im hypermodernen Unipark. Die Architektur und Einrichtung dieses Gebäudes, das erst ab 2011 in Gebrauch genommen wurde, heitern das Studium an der Universität auf. Besonders der Ausblick vom Dach des Gebäudes ist bezaubernd: Bei heiterem Wetter hat man ein einzigartiges Bergpanorama mit u.a. dem 1973 Meter ü.M. hohen Untersberg. Studieren im Unipark war für mich auf jeden Fall eine Art Kulturschock, da ich in Gent das alte aber ebenso charmante Blandijn-Gebäude gewohnt bin.

Was mir sonst an dem Studium in Österreich aufgefallen ist, ist die gemütliche Atmosphäre bei den Vorlesungen und vor allem bei den Seminaren. An diesen Seminaren konnte nur eine beschränkte Anzahl von StudentInnen teilnehmen. Die kleinen Unterrichtsgruppen fördern den Kontakt zwischen StudentInnen und ProfessorInnen und kamen mir auch effektiver vor, als der Unterricht in den großen Vorlesungen.

Die österreichische Kultur: Bier, Leberkäse und… die Salzburger Nockerl!

Schließlich will ich noch etwas über die österreichische Kultur und Gastronomie sagen.

In einem Punkt hatte ich keineswegs Schwierigkeiten mit den österreichischen Gewohnheiten: Die Österreicher trinken gerne… Bier! Auch die berühmten belgischen Biere brauchte ich in Salzburg nicht vermissen. Ein Besuch an einer der belgischen Bierbars in der Bergstraße fühlte sich immer ein bisschen wie Heimkommen an.

Außerdem schmeckten auch die salzburgerischen Biere, wie Stiegl und das im Augustinerkloster gebraute Augustinerbier, sehr lecker. Bestimmt, wenn man letzteres im "Bräustübl" des Klosters aus den 1 Liter-Krügen trinkt…

Im Augustiner Bräustübl lernte ich mit Leberkäse übrigens noch eine lokale Spezialität kennen. Auch die Salzburger Nockerl musste ich natürlich mal probieren. Dieser typische Nachtisch – vor allem aus Eiweiß gemacht – bestellte ich, wie auf der Speisekarte empfohlen, zusammen mit einem Freund. Wir waren uns am Anfang nicht so sicher, ob wir satt werden würden. Nach dem Servieren der Speise bestand aber kein Zweifel mehr: Die Portion Salzburger Nockerl reichte nicht nur für uns beide, sondern für den ganzen Tisch!

Trotz dieser leckeren österreichischen Gerichte, freue ich mich doch schon wieder auf die typisch belgischen Pommes mit Mayonnaise, die ich hier leider vermissen musste. Vielleicht komme ich irgendwann zurück nach Salzburg, um dort – neben den zahlreichen Würstlständen – einen Stand mit belgischen frietjes zu eröffnen…

Liebe Grüße, Dein Niels