Krippen-Angreifer De Gelder vor Gericht

"Das ist ein sehr dramatischer Tag. Dass wir das im 21. Jahrhundert noch mitmachen müssen, ist eigentlich sehr schlimm." Das sagte der Anwalt Michael Verstraeten am Freitag bevor die Anklage im Fall Kim De Gelder verlesen wurde. Verstraeten vertritt die Eltern der Kinder, die den Angriff De Gelders auf eine Krippe überlebt haben.

An diesem Freitag ist Auftakt im Prozess De Gelder. Dem heute 24-Jährigen wird unter anderem zur Last gelegt vor über vier Jahren zwei Babys und eine Betreuerin in einer Kinderkrippe erstochen zu haben. De Gelder muss sich vor einem Gericht im flämischen Gent verantworten.

Bei dem Blutbad am 23. Januar 2009 in einer Krippe in  Dendermonde (Ostflandern) wurden ein sechs und ein neun Monate altes Kleinkind sowie eine 54-jährige Mitarbeiterin getötet. Außerdem wurden mehrere weitere Kinder und Erzieher verletzt. Eine Woche zuvor hatte De Gelder die 72-jährige Elza Van Raemdonck in Vrasene ermordet. De Gelder wird also beschuldigt vier Morde und 25 Mordversuche begangen zu haben.

Nach der Verlesung der Anklage wird die Akte der Verteidigung vorgelesen.

Der Vorsitzende des Gerichts, Koen Defoort, hat Kim De Gelder am ersten Prozesstag gebeten, ihn nicht länger "Hohes Gericht" zu nennen. "Ich finde Hohes Gericht respektvoller, Hohes Gericht!", antwortete De Gelder. "Nennen Sie mich doch einfach Vorsitzender des Hofes", war die Antwort des Vorsitzenden.

Nachdem der Angeklagte nach seinem Namen und Geburtsdatum gefragt wurde, musste die Presse den Gerichtssaal verlassen. Zuvor haben die Medien ausnahmsweise einige Aufnahmen vom Saal und den Geschworenen machen dürfen. Kim De Gelder darf - auf eigenes Ersuchen hin -  nicht auf den von der Presse gemachten Fotos erkennbar sein. Daran erinnerte der Vorsitzende die Medien noch einmal. 

Einer der wichtigsten Punkte im Prozess dürfte der der Schuldfähigkeit sein. De Gelders Anwälte plädieren für Schuldunfähigkeit. Ihr Mandant habe schwere psychische Probleme, heißt es. Gutachter bescheinigen ihm hingegen, durchaus in der Lage zu sein, zwischen "gut und böse" zu unterscheiden. Außerdem habe er seine Tat über Monate hinweg bis ins Detail vorbereitet. Der Prozess soll bis zum 22. März dauern.