Bus und Straßenbahn bald teurer?

"Die Tarife müssen erhöht werden", betont der Generaldirektor von der flämischen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn, Roger Kesteloot (großes Foto), in einem Interview mit der Zeitung De Standaard. "Eine durchschnittliche Preiserhöhung von 4,6 % darf kein Tabu sein", heißt es weiter. Und der Fahrgästeverband TreinTramBus zeigt Verständnis hierfür, allerdings müsse auch eine Qualitätsverbesserung damit einhergehen.

Normalerweise hätte die flämische Nahverkehrsgesellschaft ihre Tarife am 1. Februar erhöhen können. Das ist aber nicht erfolgt, weil keine Entscheidung der flämischen Regierung hierzu vorlag. "Die Einkünfte, die uns dadurch verloren gehen, belaufen sich auf 200.000 Euro pro Monat", sagt Kesteloot. "Dann dürfen sie uns nicht kritisieren, dass unser Deckungsgrad so niedrig bleibt".

Was die Kosten betrifft, gehe De Lijn dem De Lijn-Chef zufolge auf dem Zahnfleisch. Auch im Angebot will die Gesellschaft nicht weiter kürzen. "Also müssen wir nach Einkünften Ausschau halten", so Kesteloot. Die Preise der Fahrscheine erhöhen, kann die Fahrgäste vertreiben. Man könne jedoch von den Fahrgästen mehr verlangen, wenn man zusätzliche Leistungen in Sachen Schnellheit anböte, zum Beispiel, indem man einen Schnellbus einsetze. Bei den Abonnements sieht Kesteloot noch Spielraum. Auf einige Zielgruppen, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel absolut angewiesen seien, müsse jedoch Rücksicht genommen werden, da könne man nicht übertreiben.

Bei der Gratisbeförderung für Personen über 65 Jahre will Kesteloot eine korrigierte Preispolitik mit Vorzugstarifen wie das in Brüssel und Wallonien in diesem Jahr bereits erfolgt.

Preiserhöhung ja, aber keine Sardine mehr in der Straßenbahn

Der Fahrgästeverband TreinTramBus gibt Kesteloot sogar teilweise recht.

So findet der Verband, dass die Abonnements für Personen über 65 Jahre ruhig kostenpflichtig gemacht werden dürften. "Mit einem Betrag von 30 Euro pro Jahr oder weniger als 10 Eurocent pro Tag, könne man Einsparungen in Höhe von 6 Millionen Euro umgehen", so der Sprecher von TreinTramBus, Jan Vanseveren (kleines Foto). TreinTramBus weist allerdings auch noch darauf hin, dass Menschen mit einem niedrigen Einkommen, davon ausgenommen werden müssten und dass Senioren für die 30 Euro auch in Brüssel und Wallonien reisen können sollten.

Außerdem dürften Fahrkarten für lange Strecken auch ruhig mehr kosten, heißt es am Montag noch in einem Pressebericht.

"Für eine Fahrt Antwerpen-Turnhout bezahlt man 3 Euro, mit einer Linienkarte sogar nur 1,60 Euro. Mit dem Zug sind das 7,50 Euro, oder 2,5 bis 4,5 Mal so viel", so Vanseveren. Wenn die Qualität verbessert wird, dürfen die Tarife ruhig erhöht werden, sagt TreinTramBus.

Der Verband fordert zudem Garantien dafür, dass das Angebot nicht weiter abgebaut wird.

Vanseveren weist schließlich daraufhin, dass es noch viel Spielraum für Verbesserungen bei De Lijn gebe, vor allem beim besseren Verkehrsfluss von Straßenbahnen und Bussen.

Außerdem müsse an der Kapazität gearbeitet werden. Mehr bezahlen, um dann wie Sardinen in die Straßenbahn gequetscht zu werden, gehe nicht, so der Sprecher noch.