"Kein Einheitsbrei in EU-Agrarpolitik"

Die Bauern des Bauernverbandes wollen mit Protestaktionen am Hauptbahnhof von Brüssel auf die Wichtigkeit der europäischen Agrarpolitik aufmerksam machen. Sie wollen dem Verbraucher vor Augen führen, was die europäische Agrarpolitik für ihn bedeutet. Am heutigen Montag treffen sich die EU-Agrarminister in Brüssel, um sich über die Reform der europäischen Agrarpolitik zu beraten.

Die Reform legt die Richtung für die EU-Landwirtschaftspolitik bis 2020 fest. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos hatte bereits im Herbst 2011 erste Vorschläge gemacht. Danach sollen europäische Gelder für die Bauern stärker an Umweltauflagen gekoppelt werden.

Im neuen EU-Haushalt ist weniger Geld für die Agrarpolitik vorgesehen. Trotzdem macht die Belastung des EU-Haushalts durch den Agrarsektor immer noch 30 Prozent aus. "Das ist viel und gleichzeitig wenig. Das hängt davon ab, wie man das betrachtet", so der Präsident des Bauernverbandes, Piet Vanthemsche (großes Foto), in der Frühsendung des VRT-Radios. Der Bauernverband will mit der Protestaktion noch einmal die Wichtigkeit der europäischen Agrarpolitik hervorheben. "Sie hat dafür gesorgt, dass die Menschen heute Zugang zu qualitätsvoller und sicherer Nahrung haben", so Vanthemsche. "Ich denke, dass es wichtig ist, dem Verbraucher noch einmal klar zu machen, dass diese Politik eine wertvolle ist."

Gleichzeitig hat der Bauernverband eine Botschaft für die EU-Minister: In der künftigen Agrarpolitik werde mehr Wert auf eine umweltfreundlichere Agrarpolitik gelegt, aber für Bauern in einem urbanisierten Gebiet wie Flandern werde das schwierig werden. Der Bauernverband will deshalb ausreichend Flexibilität, um diese grüne Politik auf Flandern zuzuschneiden und anzupassen: "Wir sind nicht gegen die europäische Agrarpolitik, fordern aber, dass bei den Umweltauflagen die spezifische Situation der flämischen Landwirtschaft berücksichtigt wird und dass keine Einheitspolitik für ganz Europa betrieben wird. Übrigens geht die Tendenz dahin, dass die europäische Landwirtschaftspolitik mehr und mehr regional betrachtet wird."

Vanthemsche ist der Überzeugung, dass mehr Umweltschutz wichtig sei, aber man müsse ihn intelligent anwenden. "Wir sind mit den Zielen einverstanden und wollen auch unseren Beitrag leisten, aber unsere Botschaft an die Minister ist: Es gibt intelligentere Möglichkeiten, um diese umzusetzen."