"Lieber keine türkischen Kinder zu belgischen Pflegeeltern!"

Die türkische Regierung hat Belgien gebeten, türkische Kinder vorzugsweise bei Familienangehörigen oder bei Pflegeeltern, die der islamischen Religion angehören, unterzubringen und lieber nicht bei belgischen Pflegeeltern. "Diese Forderung können wir nicht berücksichtigen", sagt das belgische Jugendamt. Die Bitte erfolgt nach einem Streit um einen türkischen Jungen in den Niederlanden, der bei einem lesbischen Paar untergebracht wurde.

Der heute neunjährige Yunus wurde im Alter von vier Monaten offenbar mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus in Den Haag eingeliefert. Dieses hatte das Jugendamt eingeschaltet, das einen Antrag stellte, den aus der Türkei stammenden Eltern das Sorgerecht zu entziehen. Ein Gericht gab diesem Antrat statt. Der Junge, Yunus, kam zu niederländischen Pflegeeltern – einem lesbischen christlichen Paar.

Seine leiblichen Eltern, die inzwischen wieder in der Türkei sind, wollen den Jungen zurück in die Türkei holen, wo er nach islamischen Normen und Werten aufwachsen solle. Sie sollen sogar den türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan persönlich um Hilfe gebeten haben.

Yunus und seine Pflegeeltern mussten seit Bekanntwerden des Streits offenbar untertauchen, weil sie mehrfach Drohungen erhielten.

Der türkisch-niederländische Streit spitzt sich inzwischen zu. Die türkische Regierung hat sich in den Fall eingemischt. Am Donnerstag reist Premier Erdogan in die Niederlande, um unter anderem auch über diesen Fall zu sprechen. Von Seiten der niederländischen Regierung fielen im Vorfeld bereits scharfe Worte an die Adresse der türkischen Regierung. Man solle sich nicht in innere Angelegenheiten der Niederlande einmischen, hieß es.

Inzwischen hat sich die Türkei auch an das Jugendamt in Belgien mit der Bitte gewandt, türkische Kinder lieber nicht bei belgischen Pflegeeltern unterzubringen, sondern vorzugsweise bei türkischen Familien.

"Auf die Bitte der Türkei können wir natürlich nicht eingehen", sagt Karel Henderickx vom Jugendamt in der Zeitung De Standaard. "Erstens entscheiden nicht wir, ob ein Kind aus einer Familie genommen werden muss, denn das macht der Jugendrichter. Zweitens ist unser wichtigstes Ziel, geeignete Pflegeeltern zu finden, die Fortbildungen belegt haben und unseren Anforderungen genügen. Obwohl wir stets Kultur und religiösen Hintergrund respektieren, wählen wir die Pflegeeltern nicht nach Nationalitäten aus."

In den türkischen Medien hat der Fall in den Niederlanden jede Menge Trubel verursacht. Es sei unzumutbar, dass Kinder bei christlichen, manchmal sogar homosexuellen Paaren aufgenommen würden, heißt es. "Sie denken, dass wir die Kinder absichtlich aus den Familien wegholen, um sie total flämisch oder belgisch zu erziehen. Das stimmt natürlich nicht", sagt Karel Henderickx vom belgischen Jugendamt in De Standaard noch.