Betrug an flämischen Unis

Ein schwerer Betrugsfall an flämischen Universitäten ist jetzt ans Licht gekommen. Ein Wissenschaftler pfuschte mit Daten von klinischen Untersuchungen bei Patienten, um die Ergebnisse nach seinen Bedürfnissen abzuändern. Der Mann wurde fristlos entlassen. (Das Labor auf dem großen Foto ist ein Archivfoto und nicht in den Betrugsfall verwickelt.)
Dieses Labor ist ein Archivfoto und nicht in den Betrugsfall verwickelt.

Den beiden Zeitungen De Standaard  und De Morgen zufolge soll es sich um einen Biowissenschaftler der VUB (Freie Universität von Brüssel) handeln. Das will dort jedoch niemand bezeugen. Mark Waer (kleines Foto), der Rektor der KU Leuven, hat den Betrug ansich jedoch bestätigt.

Am Donnerstagmorgen erklärte der Löwener Rektor, dass Betrug in der Wissenschaft ein weltweites Problem sei. Auch flämische Universitäten würden damit konfrontiert. "Wir wissen das", klang es.

Bei dem Betrug handelt es sich um keine Kleinigkeit: Der Wissenschaftler schummelte mit Daten von klinischen Untersuchungen bei Patienten, um die Ergebnisse nach seinen Wünschen zu fälschen. In Dissertationen von Studenten soll er auch Daten abgeändert haben.

Die Nachricht ist ein Tag nach einem erschienen Artikel in der Wissenschaftszeitung Eos bekannt geworden, in dem 1 von 12 flämischen Wissenschaftlern zugegeben hat, schon einmal Untersuchungsergebnisse manipuliert zu haben, um eine Hypothese zu untermauern.

Die Rektoren sind besorgt: "Uns erschreckt vor allem der Umfang (der Betrügereien, Red.!)", räumte Waer in der VRT-Frühsendung ein. Am gestrigen Mittwoch hatten sich die Rektoren über diesen speziellen Betrugsfall gebeugt und darüber, wie gegen solche Fälschungen künftig vorgegangen werden könnte. Sie wollen künftig in solchen Fällen Kalge beim Arbeitsgericht und beim Strafgericht einreichen. "Wir müssen uns vor allem Sorgen machen, wenn der Betrug zum Beispiel in medizinischen Bereichen passiert. Das kann große Auswirkungen haben", betonte der Löwener Rektor noch.

"Gefälschte Ergebnisse können für die Patienten und für die Gesellschaft gefährlich werden. Nehmen wir einmal an, dass Ärzte ihre Behandlungsweisen auf solch eine Untersuchung zuschneiden, dann kann das einen enormen medizinischen Schaden anrichten. Da stellt sich doch die Frage: Ist eine fristlose Kündigung in so einem Fall ausreichend? Müssen wir dann nicht strafrechtliche Schritte einleiten?", so der Rektor in De Morgen noch.

Der Rektor verspricht kurzfristig jedenfalls, Schritte in Sachen Sensibilisierung zu unternehmen. "Eine Plakatkampagne oder Ähnliches", schlägt er in De Standaard vor. Studenten und Forscher müssten bei der wissenschaftlichen Integrität Fortbildungen folgen und die Zahl der Visiten - Laborbesuche - müssten auch erhöht werden.

Die Universitäten rufen nun jeden dazu auf, Betrugsfälle zu melden. "Alle flämischen Universitäten haben einen Ausschuss für wissenschaftliche Integrität", so der Löwener Vizerektor Peter Marynen. "Ich möchte alle Wissenschaftler, die Betrug bemerken dazu aufrufen, das beim Ausschuss zu melden."