Genk: Fordarbeiter, die in Frührente gehen, klagen

Jetzt, da es wieder etwas stiller um Ford in Genk geworden ist und die Einigung zum Sozialplan für die Arbeiter in trockenen Tüchern, reiben sich viele Fordarbeiter dort offenbar die Augen. Insbesondere Arbeiter, die bald mit SWT (Arbeitslosigkeit mit Zusatzprämie des Unternehmens), dem Nachfolgemodell der Frührente, das Werk verlassen, sind erstaunt. Das schreibt die Zeitung het Belang van Limburg am Donnerstag.

Ihr Nettomonatslohn bis zur Rente wird schon bald ein ganzes Stück niedriger ausfallen als ihr Lohn bei Ford.

Het Belang van Limburg zitiert in diesem Zusammenhang zum Beispiel einen Arbeiter mit: "Jeder denkt, dass wir dann mit einer dicken Abfindung nach Hause gehen, aber das stimmt nicht."

Brutto sehe das alles in der Tat schön aus. Auf seinen Zetteln stehe eine Gesamtsumme von Prämien und Vergütungen in Höhe von 84.000 Euro. Netto blieben davon 16.000 Euro als Treueprämie und SWT-Prämie übrig plus 13.000 Euro Abfindung, heißt es in Het Belang van Limburg.

Die Prämien werden monatlich ausbezahlt: Das sind 94 Monate lang 170 Euro netto pro Monat SWT. Diese Prämie bekommt der Arbeiter dann zusätzlich zu seinem Nettomonatslohn (Arbeitslosengeld und ein Entgelt CAO 17) in Höhe von 1.333 Euro pro Monat. Zusammen macht das also 1.500 Euro netto pro Monat bis zur Rente, wenn der Arbeiter demnächst die Türen bei Ford definitiv hinter sich zuzieht. Bei der Schließung von Ford 2014 wird der 54-jährige Arbeiter, über den die Zeitung berichtet, übrigens genau 39 Jahre für das Unternehmen gearbeitet haben.

Doch es gebe auch Arbeiter mit weniger Dienstalter, die mit mehr nach Hause gingen, heißt es noch. Sowieso seien die indivduellen Berechnungen für jeden Einzelnen so kompliziert, dass sich bei ihren ersten Berechnungen Fehler eingeschlichen hätten, so eine Arbeiterin noch, die anonym bleiben will.

Sie wolle nicht klagen, nur solle nicht behauptet werden, "dass wir mit Taschen voller Geld Ford verlassen. Wir haben uns das nicht ausgesucht und überdies müssen wir SWTler weiter malochen, bis Ford schließt. Wir können uns jetzt also keine andere Arbeit suchen."

Ford bleibt unter dem, was GM bei Werks-Schließung in Antwerpen bezahlte

Die rund 4000 Beschäftigten bei Ford in Genk erhielten im Schnitt Abfindungen von jeweils 187.500 Dollar, umgerechnet rund 145.000 Euro, wie aus einer Mitteilung des Autobauers an die Behörden hervorgehe, schreibt die Presseagentur Reuters Deutschland am Mittwoch und weiter heißt es dort übrigens: „Mit der Abfindungssumme pro Arbeiter bleibt Ford unter dem, was die Opel-Mutter General Motors vor einigen Jahren bei der Schließung ihres Werkes im belgischen Antwerpen hinblätterte.“ Damals seien für GM für 2600 Mitarbeiter im Schnitt je knapp 203.000 Dollar angefallen.