Fleischsektor: Klage gegen deutsche Billiglöhne

Belgien prangert gegenüber der Europäischen Union die Niedriglohn-Praxis im Fleischsektor in Deutschland an. Die fleischverarbeitende Industrie in unserem Nachbarland arbeitet nach Ansicht der zuständigen belgischen Bundesminister mit schlecht bezahlten osteuropäischen Beschäftigten, was sich negativ auf den Wettbewerb mit Belgien auswirkt.

Belgiens Wirtschaftsminister Johan Vande Lanotte und seine Kollegin aus dem Arbeitsministerium, Monica De Coninck (beide SP.A - kleine Fotos) sind der Ansicht, dass sich deutsche Unternehmen aus dem fleischverarbeitenden Sektor einen Wettbewerbsvorteil durch Dumpinglöhne verschaffen.

Der Mangel an flächendeckenden Mindestlöhnen in Deutschland dränge die europäische Konkurrenz im Fleischsektor an den Rand, so die belgischen Minister, die diesen Umstand jetzt auch gegenüber den EU-Wettbewerbsbehörden beklagen.

Europa entgegnete, dass man alle Mitgliedsstaaten dazu aufrufe, Mindestlöhne einzuführen und zwar für alle wirtschaftlichen Bereiche. Mehr war zu diesem Thema von EU-Kommissar Lazlo Andor, zuständig für Arbeit und Soziales, bisher nicht zu vernehmen. Vande Lanotte und De Coninck mussten feststellen, dass es mittlerweile für belgische Unternehmen billiger ist, Schlachtfleisch zur Verarbeitung nach Deutschland zu bringen, um es dort schneiden und verarbeiten zu lassen.

Nach dem dies von zu Dumpinglöhnen in Deutschland angestellten Osteuropäern vorgenommen wurde, wird dieses Fleisch wieder nach Belgien zur Endverarbeitung in den Metzgereien transportiert.

Das dies Arbeitsplätze und einen Wettbewerbsnachteil für die fleischverarbeitende Industrie in Belgien mit sich bringt, liegt auf der Hand.

Belgien hat sich jetzt entsprechenden Klagen aus Frankreich angeschlossen. Die Franzosen haben bereits Anfang 2011 bei der EU-Kommission Beschwerde eingelegt. Belgien teilte Mitte März mit, eine entsprechende Beschwerde bei der EU-Kommission in Brüssel einzureichen.