Verlieren Investoren ihr Vertrauen in Belgien?

Das Consultancy-Unternehmen Ernst & Young fühlte im Rahmen einer Studie bei 205 hierzulande ansässigen internationalen Unternehmen nach, wie es um das Vertrauen in Belgien bestellt ist. Dabei kündigten einige von ihnen an, eventuell einen Abzug aus Belgien zu planen. Im Großen und Ganzen allerdings wollen die internationalen Investoren in unserem Land bleiben.

Laut der Studie zum Vertrauen der ausländischen Investoren in Belgien von Ernst & Young planen 10 internationale Großunternehmen eventuell einen Rückzug aus unserem Land.

84 % der befragten Unternehmen gaben allerdings an, auch in 10 Jahren noch in Belgien zu sein. Dieser Wert ist aber rückläufig, denn das flämische Wirtschaftsblatt De Tijd erinnert daran, dass noch im vergangenen Jahr 91 % der Multinationals erwog, mittelfristig in Belgien bleiben zu wollen.

Die Studie von Ernst & Young legt also offen, dass das Vertrauen der Investoren in Belgien leicht abnimmt und die entsprechenden Werte liegen etwas unter denen des europäischen Durchschnitts.

Zum ersten Mal seit 2003 ist die Gruppe der internationalen Firmen, die nicht mehr in Belgien investieren möchte größer als die, die sehr wohl weiter Investitionen hier tätigen wollen.

Wo drückt der Schuh? Bei der Haushaltspolitik?

Wichtigster Kritikpunkt der Multinationals ist neben den hohen Lohnkosten in Belgien der allgemeine Steuerdruck. Damit liegen die ausländischen Investoren in unserem Land auf gleicher Ebene mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der jüngst in einer Studie anmahnte, die belgische Bundesregierung müsse die augenblickliche relative politische Stabilität bis zu den Parlamentswahlen 2014 nutzen und ohne Steuererhebungen die Staatsschuld abbauen.

Dies sehen führende Volkswirte in Belgien genauso und geben laut De Tijd an, dass Steuererhöhungen in unserem Land „keine Option mehr seien“.

Derzeit hat die belgische Bundesregierung genau dieses Problem. Um den Haushalt ins Lot zu bekommen, muss gespart werden. Und auch Steuererhöhungen werden derzeit hinter verschlossenen Türen diskutiert. Doch dabei stoßen Sozialisten und Christdemokraten auf ein deutliches „Njet“ von Seiten der Liberalen.

Bei der Besprechung einer minimalen Belastung von ausländischen Unternehmen, die in Belgien vom steuerlich günstigen System der so genannten „fiktiven Zinsen“ auf Risikokapital profitieren können, zog sich der Vorsitzende der flämischen Liberalen Open VLD und Vizepremierminister Alexander De Croo (Foto) am Mittwoch aus dem Haushaltskonklave zeitweise zurück.