Bis zu 3 Jahre Haft wegen "happy slapping"

Ein Antwerpener Strafrichter hat am Freitag elf Polen wegen eines schweren Falls von 'happy slapping' verurteit. Die Polen hatten einen 30-jährigen Mann in einer Straßenbahn in Antwerpen übel zugerichtet.

Der Anstifter Marcin D. (23) aus Niel (Provinz Antwerpen) bekam die härteste Strafe. Er muss drei Jahren ins Gefängnis. Die zehn anderen bekamen Haftstrafen zwischen 12 Monaten, teilweise auf Bewährung und zwei Jahren effektiver Haft. Sie müssen das Opfer schon jetzt mit einem Betrag von 3.500 Euro entschädigen. Dieser Betrag kann noch weiter ansteigen.

Das Opfer hatte am 7. Oktober kurz nach Mitternacht die Straßenbahn 15 in Mortsel genommen. Marcin D. hatte den jungen Mann entdeckt und seine Kumpel angerufen, die sich zu diesem Zeitpunkt in einem Club befanden. Die Kumpel versammelten sich in der Premetrostation Diamant und warteten dort auf ihr Opfer. Als die Tram dort ankam, stürmten sechs von ihnen das Abteil der Tram. Einer hielt die Türen offfen, während die anderen das Opfer umringten.

Marcin D. hatte das Opfer als erster geschlagen, die vier anderen taten es ihm gleich. Danach stiegen sie ausgelassen aus, gesellten sich zu den anderen, die auf dem Bahnsteig warteten und winkten dem blutenden Opfer noch zu. Sie ließen nochmals ihre Fäuste sehen und riefen stumpfsinnige Drohungen aus. 

Das Opfer erlitt bei dem feigen Angriff eine Gehirnerschütterung, eine gebrochene Nase, abgebrochene Vorderzähne und einen bleibenden Augenschaden. Die elf Angeklagten konnten kurz nach ihrer Tat verhaftet werden. Ihr Tatmotiv ist immer noch unklar.

Der Anstifter dieser Bande aus offenbar einfältiger junger Männer, Marcin D., hatte ausgesagt, dass er aus Angst gehandelt habe: Er war zuvor an diesem Abend von vier Nordafrikanern angegriffen worden und habe gedacht, dass das Opfer einer von den Angreifern gewesen sei. Er erzählte, dass ihn das Opfer noch in der Straßenbahn bedroht und ausgelacht habe und dass dies der Grund gewesen sei, warum er seine Freunde zusammengetrommelt habe.

Seine Geschichte stimmt jedoch eher nicht mit den Bildern der Überwachungskamera der Nahverkehrsgesellschaft De Lijn überein. Auf diesen ist nämlich deutlich zu sehen, dass der Täter mit anderen Fahrgästen plauderte und absolut nicht aussah, als würde er bedroht. Es habe selbst keinen Augenkontakt gegeben, heißt es. 

Der Zwischenfall, der sich vorab abgespielt haben soll, habe der Täter laut Gericht von A bis Z erfunden. Auch die Geschichte der anderen Angeklagten, die dem Anführer angeblich zur Hilfe geeilt waren, ist in sich äußerst unschlüssig. 

Von Anfang an, so der Richter, sei das Ziel die Überwältigung eines wehrlosen Opfers gewesen und jeder habe gewusst, was zu tun sei. Auch die Angeklagten, die selbst nicht zuschlugen, sind als Mittäter verurteilt worden, weil sie durch ihre Anwesenheit und ihre moralische Unterstützung diese Taten ermöglichten. 

Das Gericht bezeichnete die Taten als gewissenlos, widerwärtig und feige. Sie hätten die Lebensqualität des Opfers eingeschränkt und das Unsicherheitsgefühl erhöht. 

Die Täter hätten ein trauriges Beispiel sinnloser Gewalt geliefert, so das Gericht noch.