Belgien vor fiskalem Erdbeben?

Seit Mitternacht herrscht in der Finanz- und Geschäftswelt helle Aufregung. Wichtige bislang geheimgehaltene Informationen über tausende Offshore Unternehmen auf den Britischen Jungferninseln, den Cook-Inseln und in anderen Steueroasen sollen durch die weltweite Zusammenarbeit von Journalisten ans Licht gekommen sein. Unter den Steuerhinterziehern sollen auch zahlreiche belgische Unternehmen sein. Das schreibt die Zeitung Le Soir auf ihrer Webseite am Donnerstag.

Auf der Liste der Journalisten, auf der Millionen aufgedeckter Transaktionen sowie tausende Firmennamen und Privatpersonen aus 170 Ländern der ganzen Welt aufgelistet sind, befinden sich offenbar hunderte belgische Steuerhinterzieher.

Zahlreiche indische Diamantenhändler in Antwerpen, Steuerberater aus Wallonien, Flandern und Brüssel, Bankmanager, die sich um die Konten ihrer Kunden bemühen und zahlreiche Privatpersonen aus Antwerpen, Brüssel, dem Brüsseler Stadtteil Ukkel, aus Waterloo und aus Dinant seien darunter, schreibt Le Soir.

86 Journalisten aus der ganzen Welt haben unter der Leitung des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ, Washington) 15 Monate lang zusammengearbeitet und 2,5 Millionen Akten sowie 120.000 Konten von Offshore Firmen durchforstet. Enthüllungsjournalisten von unter anderem der britischen Zeitung The Guardian, der BBC, der Washington Post,  der Süddeutschen Zeitung und von Le Soir waren von der Partie.

Die Enthüllungen betreffen die Länder Russland, l’Aserbaidschan, die Philippinen, Kasachstan, Zypern, Thailand, Zimbabwe, die Diktatur Birmanie, aber auch reichere Länder aus Nordamerika, Europa und dem Westen.

"Le Soir wird an diesem Donnerstag um 17 Uhr die wichtigsten Enthüllungen exklusiv für Belgien auf ihrer Webseite veröffentlichen", ist online auf der Seite von Le Soir zu lesen.

Insgesamt sollen die Informationen 160 Mal dem Volumen der 2010 aufgedeckten Informationen durch WikiLeaks entsprechen.

AP2012

Süddeutsche Zeitung führt Sachs als prominentestes Beispiel auf

Wie die Süddeutsche Zeitung am heutigen Donnerstag schreibt, hatte ein "anonymer Hinweisgeber vor mehr als einem Jahr die Daten dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten in Washington übergeben." Eines der Medien aus den 46 Ländern, die in diesen Tagen den Fall aufrollen, ist die Süddeutsche Zeitung. Auch sie habe die Informationen unabhängig überprüft, heißt es. Die bislang vertraulichen Daten zeigen offenbar, wie Kriminelle mit Briefkastenfirmen und so genannten Trusts arbeiten, um großes Vermögen beiseite zu schaffen und dubiose Geschäfte zu verschleiern.

Die Süddeutsche führt als prominentesten Fall in Deutschland den Industriellenerben Gunter Sachs an. Er soll vor seinem Tod (2011) mutmaßlich Vermögen in Steueroasen angelegt und bei den Finanzämtern nicht vollständig angegeben haben. Seine Nachlassverwalter, so die Süddeutsche Zeitung, wiesen diesen Vorwurf absolut zurück. Die betroffenen Firmen sollen dem Finanzamt schon zu Lebzeiten von Sachs offengelegt worden sein.