Die Schattenwelt der Belgier

Die Belgier sind auf der Festplatte mit Geheimdateien über Finanzdienstleister in Steuerparadiesen gut vertreten. Viele haben auf asiatische Treuhandgesellschaften in Singapur, Malaysia und Hong Kong zurückgegriffen, um zu vermeiden, dass Gewinne, die im Ausland erwirtschaftet wurden, nach Belgien fließen oder einfach um Steuern in Belgien zu hinterziehen. Die Zeitung Le Soir ist eines der Medien, die die Daten über tausende Offshore Unternehmen auf den Britischen Jungferninseln, den Cook-Inseln und in anderen Steueroasen, die dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten in Washington vor mehr als einem Jahr zugespielt wurden, für Belgien verifiziert hat.

Dass wir darunter einige Namen von indischen Diamantenhändlern aus Antwerpen finden, verwundert wohl kaum, so Le Soir: "Sie haben diese Offshore-Firmen mit ihrem indischen Pass gegründet und sich damit die Türen zu Steuerparadiesen in Asien, in der Peripherie des indischen Verbundes, geöffnet, für ein Geschäft, das hauptsächlich international und indisch ist."

Le Soir habe schon Zeugenaussagen von Belgiern, die das zugeben würden, aber es werde zweifelsohne mehrere Tage dauern, um zu erklären, warum ein Pharmaunternehmen aus Brüssel, warum Frau X aus Ukkel (Brüsseler Stadtteil, Red.!), Herr Y in Dinant, ein Diamantenhändler in Antwerpen oder kleine wallonische Unternehmen aus Namur oder aus dem Hespengau solche Offshore-Finanzplätze benutzt haben.

"Ja, das bin ich", habe ein selbständiger Unternehmer aus Merelbeke in einem perfekten Französisch gegenüber Le Soir gesagt. "Aber die Firma gibt es nicht mehr (Schweigen). Eigentlich hat sie nie existiert. Auf wiedersehen Monsieur." Viele andere Personen, die Le Soir kontaktieren wollte, seien im Urlaub und würden nicht an ihr Handy gehen. So sei zum Beispiel SVDB aus Brakel auf Reisen. Andere schwörten wiederum, dass sich jemand widerrechtlich ihre Identität angeeignet habe.

"Ich habe ungefähr hundert Namen von Personen und Unternehmen gefunden. Ein Großteil kommt aus Flandern, dem Diamantensektor in Antwerpen natürlich. Auch aus der reicheren Gegend von Antwerpen, aus Gent, Koksijde", erklärt Le Soir-Journalist Alain Lallemand, der monatelang an der Geschichte mitrecherchierte, gegenüber der VRT.

Also keine Politiker, keine Großunternehmen, aber viele Menschen, von denen man das nie gedacht hätte, heißt es bei Le Soir noch.

Le Soir sagt, dass nun der Fiskus und die Justiz ihre Arbeit machen müssten, aber die Zeitung werde ihnen die Daten nicht zur Verfügung stellen.