Unsicherheit sorgt für zerreißende Spannung bei Ford Genk

Viele Arbeitnehmer von Ford Genk und von den Zulieferunternehmen haben bereits einen neuen Arbeitsvertrag bei einem anderen Unternehmen in der Tasche, können ihr Werk aber nicht verlassen, weil sie ihre Abfindung verlieren würden oder nicht sicher sind, ob ihr Arbeitgeber sie gehen lassen will. Diese Unsicherheit läßt die Spannung steigen.

Da Ford noch auf 140 Fragen antworten muss, die die Gewerkschaften nachdem eine Einigung zu einem Sozialplan für die Arbeiter erreicht war, zusätzlich gestellt haben, zieht sich die Unterschrift des Tarifvertrags hin. Außerdem muss auch noch für die Angestellten ein Kompromiss gefunden werden. 

Inzwischen wollen die Arbeitnehmer sichere Auskünfte zu ihrer Zukunft bei Ford, unter anderem zur Situation ab dem 1. Juni, wenn Ford von zwei Schichten auf eine Schicht umstellt. "Bei uns können dann 50 festangestellte Arbeiter das Werk verlassen", so  Hasan Düzgün von der liberalen Gewerkschaft ACLVB bei SML. "Aber was passiert, wenn sich spontan mehr als 50 Menschen melden oder alle Teamchefs plötzlich weg wollen? Wer darf dann gehen und wer nicht? Das ist doch wichtig, zu wissen oder? Einige haben schon konkrete Angebote erhalten, können aber wegen der unsicheren Lage hier nicht darauf eingehen. Inzwischen müssen wir alle beruhigen..."

Bei der belgischen Bahn NMBS wird das zum Beispiel bestätigt. "Wir haben Ford-Leuten einen Vertrag vorgelegt, aber sie können nicht bei uns anfangen, weil sie sonst ihre Abfindung verlieren", sagt Stefan T'Jolyn von der sozialistischen Bahngewerkschaft ACOD Spoor. "Wenn sie nicht schnell genug zu uns kommen, müssen wir uns andere Leute suchen. Das wäre echt schade, denn wo werden die über 45-Jährigen von Ford noch Arbeit finden? Zu verrückt, um wahr zu sein! "