"Belgische Firmen in Steuerparadiesen aktiv"

110 große belgische Unternehmen sind mit Firmen, die sich auf den Kaiman-Inseln und auf den britischen Magdalenen-Inseln niedergelassen haben, verbunden, wie die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd meldet. John Crombez (SP.A), Belgiens Staatssekretär für Betrugsbekämpfung, will nachforschen, welche Rolle diese Unternehmen in den jeweiligen Offshore-Konstruktionen spielen.
AP2012

Die Unternehmens-Datenbank Graydon stellte im Auftrag von De Tijd zwei Listen zusammen, die belgische Unternehmen aufweisen, die auf der einen oder anderen Inselgruppe mit Offshore-Firmen verbunden sind. Dabei ging es um zwei Schwerpunkte: Haben diese Unternehmen Anteile einer dort ansässigen Gesellschaft oder - und hier wird es eng - haben Aktionäre der belgischen Unternehmen dort Interessen oder Beteiligungen.

Auf der Liste stehen Banken oder Großunternehmen, wie die Banken KBC und BNP Paribas Fortis, der Chemiegigant Solvay oder auch die belgische Filiale des französischen Mischkonzerns GDF Suez (via dem belgisch-britischen Instrument International Power). Auffallend ist auch, dass sogar die Belgische Investierungsgesellschaft für Entwicklungsländer - eine Einrichtung, die mehrheitlich in Händen des belgischen Staates ist - dort Verbindungen unterhält. Daneben sind mehrere kleinere Unternehmen über die verschiedensten Gesellschaften in den Steuerparadiesen aktiv.

Die Steuerfahndung gab gegenüber De Tijd zu erkennen, dass man nur schwerlich herausfinden könne, wer sich hinter den entsprechenden Offshore-Konstruktionen verberge. Ein Steuerfahnder sagte gegenüber dem Wirtschaftsblatt: „Wir können das niemals alles ergründen, auch nicht, in dem wir polizeiliche Ermittler dorthin entsenden. Es ist also ideal, um von dort aus völlig anonym in unserem Land zu investieren, zum Beispiel in Immobilien.“

Ermittlungen zur Rolle der Banken

Steueranwalt Thierry Afschrift warnt in De Tijd in diesem Zusammenhang vor voreiligen Schlussfolgerungen: „Es ist nicht unbedingt verdächtig, dass Belgier dort sitzen. Man kann auch andere Gründe haben, wenn man anonym Geschäfte machen will, solange man korrekt seine Steuern bezahlt. Zudem sind diese Inseln eine ideale Basis, um zum Beispiel Investitionen in Asien zu tätigen.“

John Crombez (SP.A - Foto), Belgiens Staatssekretär für Betrugsbekämpfung, will nach einer Meldung von Het Nieuwsblad nachgehen, ob Banken aus Belgien an Offshore-Konstruktionen beteiligt sind, über die der Fiskus im eigenen Land umgangen werden kann. Ziel ist herauszufinden, ob belgische Banken, die zur Abfederung der Kreditkrise von staatlicher Unterstützung profitieren konnten, eine Rolle beim Hinterziehen von Steuern gespielt haben.

Mehrere belgische Zeitungen berichten in ihren Samstagsausgaben über Forderungen von Seiten einiger Parteien im Land - allen voran die Sozialisten (sowohl die frankophone PS, als auch die flämische SP.A) - man solle in diesem Zusammenhang auch gegen Buchhalter und Anwälte, die dabei helfen, Steuern über Offshore-Paradise zu hinterziehen, vorgehen. Bereits vor 10 Tagen haben die beiden Parteien dazu einen Gesetzesvorschlag vorgelegt. Gerade in diesem Zusammenhang ist der Fall der Offshore-Leaks für den belgischen Fiskus und für Staatssekretär Crombez derzeit sehr brisant.