"Makaberes Heiligtum der Todesindustrie"

André-Joseph Léonard, der Erzbischof von Mechelen und Brüssel und Primas der belgischen Kirche, hat sich auffallend scharf zum Thema Krematorium geäußert. Ein Besuch im Krematorium von Vilvoorde hinterließ einen makaberen Beigeschmack bei dem führenden Geistlichen.

Nach einem Besuch des Krematoriums von Vilvoorde bei Brüssel zeigte sich Erzbischof Léonard gegenüber Pastoralie, dem Infoblatt des Erzbistums von Mechelen und Brüssel, fast schockiert: „Das war das erste Mal, dass ich ein derartiges Heiligtum der Todesindustrie betreten habe. Diese technische Annäherung an den Tod hinterließ bei mir einen makaberen Eindruck.“

Die katholische Kirche sei nicht radikal gegen das Einäschern, so Léonard, doch gebe man deutlich der Beerdigung den Vorzug: „Wenn ich den Kommentar der Betreiber des Krematoriums richtig verstanden habe, dann ziehen die Gläubigen der Orthodoxen Kirche, des Judentums und des Islam selten oder nie eine Einäscherung in Erwägung, auch wenn dies günstiger ist, als eine Beerdigung. Ich lobe diese Kraft der Überzeugung von Menschen, die keine Einäscherung ihrer Blutsverwandten wünschen und die bereit dazu sind, dafür einen Preis zu bezahlen.“

Der Verband der belgischen Beerdigungsinstitute ärgert sich über die Äußerungen von Erzbischof Léonard. Johan Dexters, der Vorsitzender des Verbandes, sagte gegenüber der flämischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws, dass dieser nur für seine eigene Überzeugung spreche: „Seine Aussagen überraschen mich nicht. Er ist ein alter Mann mit einer alten Ansicht. Krematorien arbeiten mit sehr respektvoll. In manchen Kirchen werden drei Beerdigungen nach einander abgehalten. Sollten wir da nicht auch von einer Industrie sprechen.“ Überdies seien Einäscherungen nicht günstiger als Beerdigungen.