Reichster Europäer wird doch nicht Belgier

Der Franzose Bernard Arnault, der an der Spitze der Louis Vuitton-Gruppe steht, hat seinen Antrag auf die belgische Staatsangehörigkeit wieder zurückgezogen. Sein Antrag hatte viel Kritik in Belgien und Frankreich hervorgerufen. Viele warfen ihm Steuerflucht vor.
AP2010

Als Grund für den Rückzug seines Antrags gab Arnault an, dass man ihn in Belgien missverstanden hätte. "Ich habe die Tragweite hiervon unterschätzt und hatte auch gehofft, dass mein Antrag in aller Diskretion behandelt würde", so Arnault.

"Ich habe mehrere Male versucht zu erklären, dass ich auch weiterhin in Frankreich wohnen bleiben werde und meine Steuern dort auch weiterhin zahlen würde. Die Botschaft ist jedoch nicht angekommen. Heute habe ich beschlossen, alle Zweideutigkeiten aus der Sache herauszunehmen. Ich ziehe meinen Antrag auf die belgische Staatsangehörigkeit zurück, so Arnault in einem Interview, das am Mittwochvormittag auf der Website der französischen Zeitung Le Monde erschienen ist.

Bernard Arnault fügt noch hinzu, dass er sich auf die Wirtschaftsentwicklung in Frankreich konzentrieren und sich dem Medienrummel um die Ankündigung seines Antrags zur belgischen Saatsangehörigkeit nun fernhalten wolle. Gleichzeitig betont der französische Multimilliardär, dass die jüngste Entscheidung weder für die professionelle noch für die private Beziehung, die er zu Belgien habe, Folgen haben werde. Das steht in einer Mitteilung der Gruppe. Die Marken-Entwicklung der Gruppe in Belgien sei also nicht gefährdet, lautet noch eine Erklärung von LVMH.

Der Antrag auf die belgische Staatsbürgerschaft Arnaults, der ein Haus im Brüsseler Stadtteil Ukkel hat, war übrigens nicht ohne Probleme verlaufen. So hatten das Ausländeramt und die Brüsseler Justiz eine negative Empfehlung in diesem Zusammenhang abgegeben. Die Staatssicherheit hatte hingegen eine positive Empfehlung abgegeben.

Daneben hatte das Verfahren für einen politischen Tumult und für viel Medienrummel in Frankreich gesorgt. Arnault wurde Steuerflucht vorgeworfen. LVMH weist jeglichen Vorwurf der Steuerflucht aus Frankreich zurück. Bernard Arnault hat stets betont, dass sein Antrag aus Erbschaftsgründen, um Familienstreitigkeiten zu vermeiden, gestellt worden sei.

Er hofft, dass seine Annullierung des Antrags als ein Zeichen seiner Verbundenheit zu Frankreich und seines Vertrauens in die Zukunft des Landes gesehen werde.

Auf der Webseite von Le Monde weist er auch noch darauf hin, dass seine Gruppe LVMH "über die Hälfte ihrer Steuern in Frankreich bezahlt, obwohl sie mehr als 90 Prozent des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet."