"Gegen Radikalisierung wie gegen Sekten vorgehen"

Mit einem Bürgermeistertreffen am Donnerstagabend in Antwerpen zwischen Bart De Wever (Antwerpen), Bart Somers (Mechelen) und Hans Bonte (Vilvoorde) haben sich flämische Politiker in Belgien über die Problematik von radikalen Jugendlichen, die als Dschihad-Kämpfer nach Syrien gehen, Gedanken gemacht.

Nach dreistündiger Beratung verließen die Politiker das Antwerpener Rathaus ohne konkrete Maßnahmen, aber mit neuen Einsichten, die sie in den nächsten Wochen, wie sie selbst sagen, weiter vertiefen wollen. Weitere Beratungen - unabhängig von der belgischen Taskforce zu Syrien, die ebenfalls weiterarbeitet -  sind in Mechelen und danach in Vilvoorde geplant.

"Wir haben von den anwesenden Fachleuten gelernt, dass wir die Simplifizierungen in dieser Sache echt vergessen sollten. Die Gründe der Radikalisierung dieser Jugendlichen sind nicht immer bei Diskriminierung und Unterpriviligierung zu suchen und es geht lange nicht immer nur um dumme Menschen", so De Wever von den flämischen Nationalisten N-VA nach Ablauf des Treffens. "Diese Problematik fordert deshalb Maßarbeit."

Dem liberalen Politiker Bart Somers von der Open VLD zufolge seien die drei Bürgermeister sich darüber einig geworden, dass vor allem lokale Behörden und Einrichtungen im Kampf gegen die Radikalisierung von Jugendlichen gefordert seien. Die Politiker wollen in den nächsten Wochen einen Plan ausarbeiten, um so viele Menschen wie möglich in diesem Bereich zu mobilisieren. So soll das Unterrichtswesen eine wichtige Rolle bei der Sensibilisierung und beim Aufspüren von wachsender Radikalisierung spielen. Außerdem sollen Gutachten der Polizei auch anderen Diensten vorgelegt werden, zum Beispiel Streetworkern.

Bonte von den flämischen Sozialisten SP.A betonte noch die Wichtigkeit von Mittel und Maßnahmen, um auch gegen die Anwerber unter den Jugendlichen vorgehen zu können. Er verweist hierbei auf höhere Behördenstellen. "Wir werden aber auch weiter überlegen, wie Extremismus so schnell in die Köpfe von jungen Menschen kommt."

Informationen darüber, wie viele Jugendliche der jeweiligen Städte inzwischen nach Syrien aufgebrochen sind, um zu kämpfen, wollten die Bürgermeister nicht geben. "Es ist allerdings so, dass Syrien in den letzten Jahren viel leichter für radikale Jugendliche zugänglich war als zum Beispiel Afghanistan. Ein Flugticket in die Türkei reicht schon aus", so De Wever noch.

Forderung nach "gesetzlichen Maßnahmen"

Die Initiative bekam auch die Unterstützung von Innenministerin Joëlle Milquet  von den frankophonen Christdemokraten (CDH).

Laut Mohammed Chakkar (Foto) von dem Verband Marokkanischer Vereinigungen funktioniere die Radikalisierung wie bei einer Sekte. Er möchte deshalb, dass dies im Kampf gegen Radikalisierung beachtet werde. "Wir müssen gegen die Gruppierungen vorgehen wie gegen eine Sekte -  mit den gleichen gesetzlichen Einschränkungen. Anlass darf nicht sein, weil es sich um Marrokaner oder Türken handelt."