Der Verkehr verschmutzt mehr als die Industrie

Der Straßenverkehr hat die Industrie als größten Umweltverschmutzer in Belgien abgelöst. Zu diesem Entschluss kommt der Umweltverband Bond Beter Leefmilieu (BBL) nach einer Analyse des Flämischen Umweltberichts (MIRA). Problematisch ist in erster Linie der Ausstoß von Feinstaub und Ultra-Feinstaub.

In den vergangenen Jahren hat die Industrie in Belgien auf Ebene des Umweltschutzes einen großen Schritt nach vorne getan und ist wesentlich saubrer geworden. Im gleichen Zeitraum hat sich in Sachen Straßenverkehr nicht viel getan, obwohl die Automotoren umweltfreundlicher geworden sind.

Laut der flämischen Tageszeitung De Morgen liegt dies an der Tatsache, dass die Zahl der in Belgien zurückgelegten Kilometer derartig steigt, dass jedweder Effekt von sauberen Autos weggefegt wird. 97,5 % aller Firmenfahrzeuge in Belgien (PKW und LKW) werden mit Dieselmotoren angetrieben.

„Die Hälfte aller ausgestoßenen krebserregenden Schadstoffe sind PAK (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe), die der Straßentransport verursacht. Seit dem Jahr 2000 stieg der PAK-Ausstoß des Straßenverkehrs um ungefähr die Hälfte, weil der Transport zunimmt und weil der Verbrauch von Diesel steigt“, so Erik Grietens vom Umweltverband Bond Beter Leefmilieu (BBL) gegenüber De Morgen.

Die Industrie ist der bessere Schüler

Die belgische Industrie kann wesentlich bessere Zahlen vorlegen, als das Straßenverkehrswesen. Zwischen 2000 und 2011 sank hier der Schadstoffausstoß um 11 %, wie aus dem Flämischen Umweltbericht (MIRA) ersichtlich ist.

Der Ausstoß von schwefelhaltigen Stoffen sank in diesem Zeitraum um die Hälfte und von ozonbildenden Stoffen um 39 %. Zudem, so De Morgen, sank laut MIRA das Verklappen von industriellen Abwässern in die Wasserläufe durch die Industrie.

Der Bond Beter Leefmillieu (BBL) fordert von der Politik im Allgemeinen und von der flämischen Landesregierung im Besonderen etwas gegen den zunehmenden Straßenverkehr und den entsprechend steigenden Schadstoffausstoß zu unternehmen. Mögliche Lösungen sei ein Abbau des Dieselwagenparks, seien eine höhere Besteuerung und dadurch ein Abbau des Autofahrens mit Hilfe von Schadstoffzöllen und Kilometerabgaben und höhere Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr.

Ein Ausbau des Straßenverkehrsnetzes im belgischen Bundesland, durch eine riesige Autobahnbrücke über Antwerpen (Oosterweel-Verbindung), eine Verbreiterung des Brüsseler Rings und neue Autobahnlinks in ländlichen Regionen zwischen dem Kempenland und Limburg seien nicht der richtige Weg, so die Umweltschützer.

Feinstoff und die Folgen

Nach Ansicht des BBL wird vor allem der Ausstoß von Feinstoffen problematisch. Hier gilt der Straßenverkehr als der größte Verursacher. Die Zahl der Tage mit überhöhte Feinstaub-Durchschnittswerten lag in Belgien im Jahr 2011 doppelt so doch, wie 2010 und kletterte so über den zulässigen Grenzwert.

In verkehrsintensiven Regionen, zum Beispiel in den flämischen Ballungsräumen, ist der Ausstoß von Stickstoffoxyden fast immer zu hoch. Die medizinischen Folgekosten wegen Feinstaub werden jährlich auf über 5 Milliarden € alleine in Belgien geschätzt. Dabei handelt es sich um Behandlungen der Atemwege, um Asthma, um chronische Lungenkrankheiten wie COPD und um Krebs.

"Die Pendler sind mal wieder die Sündenböcke"

Der belgische Autofahrerverband Touring lässt am Umweltbericht des BBL kein gutes Haar und versehr sich dagegen, dass die Berufspendler wieder alle Schuld in die Schuhe bekommen.

Nach Ansicht von Touring liegt die Schuld an der Umweltverschmutzung in erster Linie an der Politik in Bund und Ländern, der es nicht gelinge, eine vernünftige (Straßen-)Verkehrspolitik, die das ewige Stauproblem lösen könne, auf den Weg zu bringen.

Touring ist daneben gegen die Einführung einer Autobahn- oder Straßennutzungsgebühr im Zuge der immer wieder diskutierten Einführung einer Maut für Lastwagen in Belgien.