Flandern: Weniger Armut aber mehr arme Kinder

Im Allgemeinen geht die Armut im belgischen Bundesland Flandern leicht zurück. Doch die Zahl der Kinder, die in armen Verhältnissen zur Welt kommen und leben müssen, steigt seit 2001, wie der jährliche Armutsbericht aufzeigt.

Die Zahl der finanziell Minderbemittelten im belgischen Bundesland Flandern stagniert und ging im vergangenen Jahr sogar um einige zehntausend zurück - von 650.000 auf 610.000. Aber noch immer leben fast 10 % der Familien in Flandern unterhalb der Armutsgrenze oder knapp am Limit. Europaweit liegt der Durchschnitt derzeit bei 17 %.

Auch Flamen, die eine Arbeit haben, können als arm gelten, doch auch hier liegt der europäische Durschnitt weitaus höher. Aber die Zahlen können nicht darüber hinwegschauen, dass Armut für die Betroffenen schlimm bleibt. Arm sein ist zum Beispiel gesundheitsschädlich. Etwa eine Viertelmillion Flamen lässt sich so gut wie nie untersuchen, weil ein Arztbesuch zu teuer ist. Diese Zahl hat sich im Laufe von nur einem Jahr verdoppelt.

Doch im Zusammenhang mit Armut ist die steigende Zahl der Kinder, die unter diesen Verhältnissen aufwachsen müssen, besonders beunruhigend. Im Jahr 2001 wuchsen 6 % aller Kinder in Flandern in Armutsverhältnissen auf - vor allem im Familien, die von außerhalb der Europäischen Union aus eingewandert sind. 10 Jahre später ist diese Zahl auf fast 10 % angestiegen. Flanderns Landesministerin für Armutsbekämpfung Ingrid Lieten (SP.A - kleines Foto) muss reagieren, denn das Koalitionsabkommen sieht vor, dass die Kinderarmut bis 2020 halbiert werden muss.

Gegenüber der VRT-Nachrichternedaktion sagte Lieten am Dienstagmorgen: „Wir müssen diesem Ziel gemeinsam eine sehr hohe Priorität einräumen. Ich werde in den Monaten Mai und Juni den Gouverneuren aller Provinzen und dem Kommunalverwaltungen eine entsprechende Methodik übergeben und diese bitten, das Thema Kinderarmut zentral zu behandeln. Schon jetzt hat jede vierte Gemeinde einem Aufruf Folge geleistet, einen Stadtverordneten zum Thema Armut zu benennen, um dieses Thema auf kommunaler Ebene zu koordinieren.“