Erstes Frühjahr seit 1918 ohne belgischen Sieg

Am vergangenen Sonntag fand eine sehr spannende Frühjahrssaison im Profiradrennen mit dem Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich seinen Abschluss. In Belgien allerdings schaut man mit gemischten Gefühlen zurück, denn zum ersten Mal seit 1918 konnte kein belgischer Radfahrer eines dieser prestigeträchtigen Rennen, die zum größten Teil um eigenen Land stattfanden, gewinnen.

In den beiden vergangenen Jahren 2011 und 2012 sorgten die belgischen Radprofis Tom Boonen (Omega Pharma-Quick Step) und der amtierende Weltmeister Philippe Gilbert (BMC) im Klassiker-Frühjahr noch für beeindruckende Siege, doch dieses Jahr war von beiden kein Siegerlächeln zu sehen.

Boonen fiel früh verletzt aus und Gilbert fuhr seinen Ansprüchen hinterher. Er war in mehreren Fällen so grade nicht gut genug, um einer neuen jungen Generation von internationalen Talenten oder anderen erfahrenen Recken die Stirn zu bieten. So gewannen andere die Klassiker, z.B. der Slowake Peter Sagan (Cannondal - Gent-Wevelgem, Brabanter Pfeil) oder der Schweizer Fabian Cancellara (RadioShack - Flandernrundfahrt, Paris-Roubaix).

Am Rande von Lüttich-Bastogne-Lüttich suchte man nach Erklärungen. BMC-Mannschaftsleiter John Lelangue (Foto), Chef seines Landsmannes Philippe Gilbert, erinnerte daran, dass wir mit den beiden vergangenen Jahren zwei gute Frühjahre hatten: „Es kann nicht immer alles topp sein.“ BMC-Kollege und ex-Renner Rik Verbrugge zählt belgische Talente auf: „Jürgen Roelandts (Lotto-Belisol), Greg Van Avermaet (BMC) und Sep Vanmarcke (Blanco Pro Cycling Team, Zweiter bei Paris-Roubaix) sind immer vorne und sie sind konstant. Nur fehlt ihnen der Sieg. Sie schaffen es bis knapp unter der Spitze und dann wird es schwierig. Aber, sie sind immer da.“

Lelangues Kollege von Tom Boonens Team Omega Pharma-Quick Step, der ex-Radprofi Tom Steels, gab an, es werde stets schwieriger, solche Rennen zu gewinnen: “Vielleicht sollten wir uns noch mehr spezialisieren und uns in Hinsicht auf bestimmte Rennen konzentrieren. Aber eigentlich haben wir doch eine Kategorie von Rennfahrern, die überall um einen Sieg mitspielen können.“

Marc Sergeant, der Manager des zweiten großen belgischen Teams neben Quick Step, Lotto-Belisol, hat aber weiter große Hoffnungen in die Spitzenfahrer: „Lasst uns hoffen, dass Gilbert und Boonen wieder ihr altes Niveau finden und dass Rennfahrer, wie Roelandts und Van Avermaet genau den Schritt nach vorne tun, der ihnen bisher noch fehlt.“