Juniordiplomaten auf dem Parkett

Junge Deutsche und Belgier werben jeweils für das andere Land. Sie sollen helfen, die gegenseitigen Beziehungen der beiden Länder zu vertiefen und das auf verschiedenen Ebenen. So hat sich die Deutsche Botschaft in Brüssel das einst vorgestellt, als sie das Juniordiplomaten-Programm 2011 ins Leben rief. Inzwischen hat bereits die „zweite Generation“ Juniordiplomaten ihre Erfahrung mit dieser ehrenamtlichen Arbeit gemacht und die nächste Generation junger dynamischer Diplomaten für deutsch-belgische Beziehungen steht in den Startlöchern: Bewerbungsfrist für das Studienjahr 2013/2014 ist am 30. April dieses Jahres.

„Obwohl es natürlich schon viele gute Kontakte zwischen Deutschen und Belgiern gibt, ist es auffällig, wie wenig junge Leute manchmal über die andere Kultur wissen und erfahren. In dieser Hinsicht ist es schön, dass es Projekte und Aktivitäten gibt, in denen sich junge Menschen wirklich kennenlernen und austauschen können“, erklärt die 28-jährige Liesbeth Van Vossel (kleines Foto), die in Zottegem (Ostflandern) geboren ist und jetzt in Löwen wohnt und arbeitet. Sie gehört zur derzeit etwa 9-köpfigen Juniordiplomatengruppe (bei der auch drei Deutsche mitmachen) und will im nächsten Studienjahr ebenfalls noch mit dabei sein.

In Belgien gebe es vor allem noch viele Vorurteile über Deutschland, auch über die Sprache, erzählt sie weiter. Deshalb habe die Botschaft zusammen mit der Germanistikabteilung der KU Löwen das Projekt "Muttersprachler im Deutschunterricht" ins Leben gerufen. „Darin engagieren sich Deutsche StudentInnen, in einigen Deutschstunden im Sekundarunterricht belgischer Schulen über sich selbst, Deutschland, Gott und die Welt zu erzählen und den Schülern so zu zeigen, dass Deutsch eine lebendige Sprache ist, die sogar von sympathischen jungen Leuten gesprochen wird.“ Nur durch reden und einander besser kennenlernen, könnten schließlich Vorurteile überwunden werden, so Van Vossel. Sie ist Unterrichtsassistentin in der Germanistikabteilung der KU Löwen und lehrt auch Deutsch am Sprachenzentrum (ILT).

Es sind solche und ähnliche Projekte, die die Juniordiplomaten vorschlagen und durchführen sollen. Die Juniordiplomaten, die in der Regel zwischen 18 und 30 Jahre alt sind, würden die Studenten besser erreichen als die Botschaft und ihr Team, weil die meisten unter ihnen selbst Studenten seien, erklärt der 23-jährige Yor Burlet, ebenfalls Juniordiplomat und Student in den Fächern Geschichte und European Studies an der Universität Löwen.

Deutsche und Belgier sollen einander näher gebracht werden, deshalb werden zum Beispiel deutsch-belgische Stammtische wie in Löwen oder gemeinsame Filmabende (in Zusammenarbeit mit dem Goetheinstitut) veranstaltet, bei denen deutsche Filme gezeigt werden. Man versuche auch, Werbung für deutsche Städte und Universitäten zu machen, betont der im niederländischen Maastricht geborene Burlet, der jedoch die belgische Staatsangehörigkeit besitzt. Noch zögert er ab und zu in der deutschen Sprache, drückt sich aber dafür sehr gewählt im Interview mit www.flanderninfo.be aus – ein echter Diplomat.

"Deutsche Unis bei belgischen Studenten nicht so beliebt"

„Wir haben festgestellt, dass deutsche Unis bei den belgischen Studenten nicht so beliebt sind. Technik- und Ingenieurstudenten gehen natürlich gerne wegen der guten Studien dorthin – man denke nur an Bayern – aber sonst denkt man eben nicht so schnell an Deutschland, sondern will eher nach Frankreich, Italien, Spanien oder Portugal. Viele glauben, dass die Städte dort schöner seien, man besser feiern könne und das Klima besser sei. Man kennt diese Länder aus dem Urlaub.“

Damit die hiesigen Studenten für ihren Studien-Austausch auch Deutschland in Erwägung ziehen, soll in den Vorlesungen hierzulande viel mehr Werbung zum Beispiel mit Postern für das Nachbarland gemacht werden, erzählt Yor. Letztes Jahr hat es bereits ein Deutschlandjahr an der Universität in Löwen gegeben. Das habe jedoch eher auf akademischer Ebene statt gefunden, jetzt wolle man etwas auf rein studentischer Ebene unternehmen. „Jetzt wollen wir belgische Studenten nach Deutschland holen.“

Dafür müssten die Juniordiplomaten auch herausfinden, in wieweit es möglich ist, mehr Verträge für Austausche mit deutschen Universitäten abzuschließen. Neben dem Aufhängen von Werbeplakaten, könne man den interessierten Studenten vielleicht auch direkt Werbemails zusenden. Andere Studenten könnten über ihre Erfahrungen in Deutschland erzählen, so Yor.

In Glitzer- und Glimmerwelt eintauchen

Ein bisschen Zeit nehme das Ehrenamt schon in Anspruch, erzählt Yor, aber dafür dürfe man als Juniordiplomat eine Zeit lang in die Glitzerwelt der Diplomaten eintauchen. Einladungen in die Residenz des Botschafters, in der auch schon ‘mal eine Live-Band spiele, so Yor oder Veranstaltungen der deutschen Landesvertretungen, wo es übrigens mit Musik von der Bundeswehr, Frankenwein und Würstchen sehr deutsch zuginge, gehörten dazu. Überdies klinge der Titel Juniordiplomat gut und öffne viele Türen, so auch Liesbeth.

Allerdings müsse man, um als Juniordiplomat etwas erreichen zu können, Ideen und Projekte vorlegen und fließend Deutsch sprechen – viele der Juniordiplomaten hätten zuvor in Deutschland studiert. Bewerbungen hätte es viele gegeben, aber nur wenige hätten wohl ausreichend Deutsch gesprochen, fügt Yor hinzu. Das allein zeige schon, dass der deutschen Sprache mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Deutschland sei eines der wichtigsten Länder für Belgien, schon rein wirtschaftlich gesehen und auch wenn man sehe, was das Land alles zu bieten habe, aber das realisierten hier viele Leute nicht.

Umgekehrt fehle bei manchen Deutschen das Interesse an Belgien oder es mangele einfach an ausreichendem Kontakt zu Belgiern. Seine deutsche Freundin habe zum Beispiel ein Jahr lang in Löwen studiert und kein Wort Niederländisch gelernt. Jetzt könne sie ein wenig Niederländisch, aber dafür habe es wohl erst einen Juniordiplomaten wie ihn gebraucht.

Im Juni läuft das Mandat der jetzigen Juniordiplomaten offiziell aus und es werden neue ernannt. Normalerweise läuft das Mandat ein Jahr, aber es kann verlängert werden.

Weitere Informationen zu den Juniordiplomaten und zur Ausschreibung finden Sie auf der Webseite der deutschen Botschaft unter: http://www.bruessel.diplo.de/Vertretung/bruessel/de/03_20Die_20Botschaft/Juniordiplomaten/Seite__Juniordiplomaten.html.